Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der hochedlen Malerei
Person:
Biondo, Michel Angelo Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400544
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401077
BIONDO, VON DER MAL 
EREI. 
herbeikam, und sich in das lnnerste meines Gemaches stellte. 
Sie schien mir eine sehr schöne Frau zu sein, so dass meine 
Sinne von ihrer erstaunlichen Schönheit derart betroffen waren, 
wie Jene betroffen sein würden, welchen ohne Verhoffen ein 
Glück begegnet. Es war diese Matrone von solcher Grösse, 
dass ich sie mit meinem Auge nicht erfassen konnte. Denn mit 
ihrem Haupte reichte sie bis in jene Gegend, von wo die Sonne 
sich erhebt, und mit den Füssen wandelte sie auf dem Bereiche, 
wo die Sonne ihre Strahlen verbirgt, und mit der einen Hand 
berührte sie die Seite des Auster, mit der anderen die Region 
des Boreas, so dass sie Jenen entsprach, welche von ihr sagen, 
dass es ihre Sache sei, von dem Anfang aller Dinge zu handeln. 
„Wahrhaftig, ich weiss nicht, welches Verhängniss oder 
Geschick über mich verfügt habe, dass ich vor dem Biondo 
erschienen bin, um ihm meine Schicksale zu erzählen. Doch 
sei es nun, wie Gott will, dass dein Geschick oder meine Be- 
stimmung mich hiehergeführt habe, wisse, dass ich die Malerei 
bin und hierherkam, um mich über dein Thuen zu beklagen, 
in deinem eigenen Hause; denn ich meine, dass es für Biondo 
eine bekannte Sache sein dürfte, in welcher Schönheit ich bis 
jetzt selbst in den königlichen Gemächern dieses und jenes 
Fürsten geherrscht habe. Ist ja den Malern wie den Schrift- 
stellern die Malerei nicht fremd, indem alle guten Schriftsteller 
die Malerei durch ihre Werthschätzung ehren. Auch gereiche 
ich ja selbst den Behausungen Derjenigen zum Schmucke, welche 
weniger besitzen, nur du allein, welchem der Chor der Musen 
fortwährend dient, du, dessen Vorschriften an den äussersten 
Grenzen Arabiens gelesen werden, so zwar, dass zahlreiche Früchte 
des Biondo den Lippen der Menschen süss schmecken und ihre 
Herzen erfreuen, du hast jedoch von mir allein nie Erwähnung 
gethan, gleichsam als wenn ich nicht auch unter die übrigen 
freien Künste gerechnet werden dürfte. 
Dieses ist aber ohne allen Zweifel in Folge der Unwissenheit 
der Menschen so gekommen, denn wenn diesen bekannt wäre, 
wer ich bin und was ich für Denjenigeti, der mich liebt oder 
der mir nachfolgt, thun kann, so wäre derlei wirklich nicht 
zugetroffen. Denn selbst gegen den Willen des Meilsclaen trage 
ich seinen Namen zu den Sternen und mit Unrecht bin ich
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.