Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der hochedlen Malerei
Person:
Biondo, Michel Angelo Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400544
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401068
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VON DER MAI 
der Malerei ist, dass sie die Bilder in wahrhafter Weise erschafft, 
so urtheile ich, dass ein solcher Gebrauch Kunst sei. Denn ein 
solcher Gebrauch richtet sich nach gewissen Regeln und höchst 
kunstreichen Vorschriften, wenn gleich der Maler freien Willen 
im Werke besitzt. Er bleibt aber auch ungeachtet dessen frei 
und mit ihm die Kunst, wenn sie sich auch jenen Gesetzen 
unterwirft. Denn schier alle Dinge, welche der grosse Gott und 
Schöpfer all' desjenigen, was sich im Universum befindet, vom 
Beginne an gemacht hat, so zwar, dass eine gemalte Sache sie 
hervorbringen und an den Tag geben könne, von allen diesen 
Dingen sage ich, dass die Kunst des Malens sich ihrer bemächtigen 
könne. Die Kunst des Malens ist daher die vernünftige Auf- 
fassung der bemalten Figur oder die bemalte Figur in der ge- 
ziemenden Auffassung, wozu noch die Materie kommt, denn wenn 
irgend ein Maler ein gemaltes Werk aufweist, das aber mit den 
Farben nicht fein gemalt, oder unähnlich an den Gliedern oder 
in unpassendem Stoffe gebildet ist, oder jener vernünftigen Auf- 
fassung ferne steht, so wird uns das keine Kunst, sondern die 
Verwirrung der Malerkunst zu sein scheinen. 
Von 
der 
Gestalt 
der Malerei, wie sie 
Vision erscheint. 
Cap. .4. 
dem Autor 
in 
einer 
Damit man nun nicht sage, dass ich der Malerei nicht 
Genüge thue mit würdigem Lob, so gehe ich in der Erhebung 
derselben bis an die Sterne. Wisset, dass eines Tages, bevor 
die Sonne über ihren Horizont sich erhoben, bevor ich noch 
den Schlummer gänzlich verscheucht hatte, welcher meine Glied- 
rnassen beschwert hatte, mir die Malerei erschienen ist; nun 
glaubet aber nicht, dass mir etwa damals bloss meine Nahrung 
Beschwerden gemacht hatte, sondern dass in der That nicht 
das kleinste Theilchen eines Dunstes hätte aufsteigen können, 
um das Haupt zu verwirren und ich Ursache gehabt hätte, 
dasselbe mit Phantomen zu erfüllen, vielmehr schien es mir, 
dass Nahrung mir vonnöthen gewesen wäre, indem Arbeit und 
Schlaf meine Glieder angegriffen hatten. Da erschien mir eine 
mächtige Matrone, welche im Fluge gleich dem Vogel des Zeus
        

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