Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der hochedlen Malerei
Person:
Biondo, Michel Angelo Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400544
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401053
IONDO, 
VON DER MAI 
von euch Verzeihung erbitten, da ich weder durch Natur noch 
durch Kunst ein Maler bin, aber wohl sage ich, dass Derjenige, 
welcher meine Erörterung nicht ohne alle Mühe versteht, schier 
ohne Verstand oder eine wilde Bestie ist; denn ein geschickter 
und scharfer Geist, der besonders zur Malerei geneigt ist, wird 
leicht begreifen, was ich schreibe, ferner dass ich in meiner Rede 
kurz und gedrängt bin, nichtsdestoweniger schreibe ich aber 
klar, und wenn auch das, was ich Vortrage, in verschiedener Weise 
und mancherlei Redensarten vorgebracht wird, so wird mich 
doch Derjenige leicht verstehen, welcher den Wunsch hegt, die 
genannte Kunst sich anzueignen, wenigstens mit Hilfe solcher 
Ideen, welche für dieselben passen, so zwar, dass ich ihm dadurch 
noch helfen kann. Wisse nämlich, mein lieber Leser, dass ein 
Maler nie ein vollkommener Meister werden kann, wenn er 
früher nicht in seinem Geiste die Figur versteht, die er zu malen 
hat, gleich wie Derjenige, welcher seinen Bogen aufstellt und 
nicht sicher Weiss, wohin das Ziel gestellt ist, den Pfeil ohne 
Wirkung absendet, nicht anders rede ich von dem Maler. So 
wirst du denn, o fleissiger Jüngling, dich überzeugen, dass nur 
derjenige ein Maler ist, welcher seine Figuren sowie seine Skizzen 
zu entwerfen Weiss, Derjenige aber, welcher weder Figuren noch 
Skizzen machen kann, den werde ich für das Gegentheil halten, 
nämlich dass er niemals ein guter Maler werden wird, weil er das 
nicht in seinem Sinne behält, was ich gesagt habe. Ich ermahne 
deshalb Jeden, der ein guter Maler werden will, dass er diese 
meine Erörterung und Unterredung von der Malerei öfter lese 
und mit Eifer und Fleiss durchgehe, bis er diese Lehre wohl- 
verstanden und später auch gut in Uebung gesetzt habe; auf 
solche Weise wird er leicht ein vollkommener, ergötzlicher und 
lieblicher Maler werden, weil dieser Weg der kürzeste, der 
nutzreichste und ferner der nothwendigste ist. 
VOII 
der 
Deflnition 
der 
Malerei. 
im 
Aristoteles erörtert 
Thcil 
seiner Ethica die Definition 
der Kunst, er schreibt, dass die Kunst in dem Gebrauch bestehe, 
die Dinge in wahrhafter Art darzustellen. Da es nun Brauch
        

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