Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Von der hochedlen Malerei
Person:
Biondo, Michel Angelo Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400544
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1401035
BIONDO, 
VON DER MAI 
die öffentlichen musischen Spiele und jene des Apollo zur Nach- 
ahmung für die Athleten angeordnet, und schliesslich die Be- 
lohnungen und Ehrenbezettgtlngen für die Schriftsteller. Wenn 
dieses die Fürsten der Christen nachahmen wollten, so würde 
es heutzutage an Schriftstellern jeglicher Art nicht fehlen. Wenn 
sich daher jetzt ein anderer Aristophanes fände, welcher mit 
höchstem Fleisse und grösster Sorgfalt alle Bücher nach Ord- 
nung durchläse und aufgefordert würde, sich auszusprechen 
über die vorzüglichste Schrift, so würde er ja selber mit der- 
jenigen höchlich zu loben sein, welche dem Haufen nicht gefällt. 
Deshalb, ihr Richter über meine Nachtwachen, bitte ich euch, 
wenn ihr die Früchte nicht lobt, so billigt doch den Eifer des 
Schriftstellers. Denn seid überzeugt, dass die Arbeit der vielen 
Nachtwachen, welche ihr mit meinen Namen bezeichnet sehet, 
wirklich die meinen sind, während viel umfangreichere Erfin- 
dungen Anderer, von denen grosse Bücher den Fürsten gewidmet 
werden, voll mannigfacher Diebstähle sind. Nichtsdestoweniger 
leugne ich nicht, dass mein Werk mit verschiedenen fremden 
Blüthen geschmückt ist, jedoch bloss zum Ruhme des eigenen 
Autors, denn was ich ausgewählt habe, habe ich in meinem 
Werke mit dem Namen seines Schöpfers eingetragen, auf dass 
mein Werk durch die Aufnahme dieser Autorität Nutzen ziehe, 
und nicht damit Jene durch mich berühmter werden, da sie an 
sich schon glanzvoll genug sind. Nachdem schliesslich sich sehr 
Wenige finden, welche über die Malerei oder über die Kunst 
des Malens geschrieben haben, so habe ich mich entschlossen, 
zur Herstellung dieser schönsten Kunst zu schreiben, damit 
nicht durch irgend ein feindliches Geschick dieselbe einem noch 
grössereti Schiffbruch erläge, als, sie bis in die gegenwärtige Zeit 
gehabt hatte; denn die Künste, die Kunstwerke und die Künstler 
vergehen, sowohl durch die Thorheit der Menschen, als auch durch 
die Ungunst der Zeiten. Wenn ich daher die gegenwärtige Schrift 
nicht nach Wunsch eures Sinnes geschrieben habe, so wird es 
euch doch wenigstens gefallen zu sagen, dass ich das gerne 
hinschrieb, was ich mit meinem schw-achen Verstande erkannte, 
und wie der Ausspruch jenes grossen Gesetzgebers lautet, so hat 
Derjenige dem Gesetz genug gethan, welcher that, was er konnte.
        

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