Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Heraclius, von den Farben und Künsten der Römer
Person:
Heraclius Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1281068
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1281416
Macht, welches die gleichzeitige Lage nur zu ironisiren geeignet 
war. Nicht anders wie jene Volksführer und Tribunen den ver- 
kommenen Pöbel ihres Roms mit Worten beehrten, welche sie 
den stolzesten Erinnerungen des antiken Roms entlehnten, nicht 
anders redet dieser Schriftsteller von der Kunst der grossen 
Vorzeit, die er erneuen will, und bringt ein paar simple Recepte 
für Malerfarben und Töpfeglasur! Er spricht von den Spielen und 
poetischen Wettkämpfen, wo Dichter des römischen Volkes die 
Krone empfingen. Das ist theilweise literarische Reminiscenz, 
entspricht aber auch einer noch ziemlich nahen Wirklichkeit, 
denn es wurden solche Wettkämpfe noch um die Zeit Gregor des 
Grossen in der U1pi'schen Basilica abgehalten, wie ein beim Neu- 
bau der Peterskirche aufgegrabener Denkstein des Jünglings 
Boethius von 578 beweist. (Reumont, Geschichte der Stadt Rom, 
H. pag. 93.) Die Graphia aureae urbis Roniae, eine mit Fabeln 
ausgestattete Beschreibung, kennt in dem Rom der Karolinger- 
zeit noch verschiedene Theater; der Verfasser nennt die alten 
Bewohner der Stadt die Vorfahren, deren Künste zu betreiben in 
der Gegenwart die rechten Männer fehlten. Hiesse er nun wirklich 
Heraclius, so wäre er ohne Zweifel dem griechischen Namen 
zufolge, auf den Raspe wie Merrifield aufmerksam machen, weder 
Römer noch Longobarde und somit seine Begeisterung für 
Roms alte Grösse kaum begreiflich. Gleichwohl darf andererseits 
nicht Wunder nehmen, wenn mehrere seiner Künste (wie in 
den Noten erläutert werden. wird) entschieden byzantinischen 
Ursprung verrathen und altrömischeKünste dagegen ihm fremd 
sind. Es gab eine Zeit der trübsten Verwilderung, und das ist 
die seine, in welcher ausser dem leeren Schall nichts von der 
einstigen Bedeutung der Cultur und Kunst an dem Tiber 
erhalten war, dagegen aber der Einfluss des oströmischen Cultur- 
lebens um so erfolgreicher wirken konnte, als Rom, selber völlig 
todt und passiv, keine Regung aus eigener Kraft entgegen- 
zustellen vermochte. Das 6. und 7. Jahrhundert War darin ent-
        

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