Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Heraclius, von den Farben und Künsten der Römer
Person:
Heraclius Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1281068
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283215
ÜBER 011-: ÖLMALEREI. 
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ebenso dieser Wirkung Ursache sein können; nur der gewaltige 
Fortschritt im Gedanken, die grosse Wendung, die nun die 
Kunst erhalten, begeisterte die Gleichzeitigen, während erst 
spätere, als bei völlig verwandelter Weltlage diese momentanen 
Interessen verwischt waren, ohne alle Begeisterung und höhere 
Autiassung die Ursache im Materiellen aufstöbern wollten. Der 
Mitwelt War die Technik, in der diese Monumente der Kunst 
an den Tag traten, kaum interessanter, als das Kleid, welches 
Hubert und Jan trugen, als sie dieselben malten. 
Ihre Landschaften, Stolfmuster, Blumen, Thiere und alle 
Details hatte den Eyck's die grosse französisch-niederländische 
Miniatorenschule gezeigt, nicht erst in Oel vermochte man 
derlei darzustellen; Einzelnes wurde auch längst ohne Anstand 
und Schwierigkeit in Oel gemalt, dass aber alle Welt seit 
ihrem Wagniss die altverschrnähte und übelbeleumundete 
Technik annahm und ihr allein die Palme zugestand, das er- 
strebten sie nicht durch secreta, sondern durch den frischen 
Muth des Genies allein, der des Gelingens Ahnung in sich 
trägt, einfach, indem sie die ersten reichbegabten Künstler 
gewesen, welche beschlossen, die vortheilhafte Art des Oelmalens 
einzuführen, zugleich aber in der geistigen Macht, in der zwin- 
genden Obgewalt des Genies eben eine Waffe besassen, um 
der technischen Neuerung Bahn zu brechen, die ihre allgemeine, 
grössere, geistige Reform mit sich führte. Sie allein, das nackte 
'Technische allein dem Jahrhunderte alten Vorurtheile aufzu- 
drängen, wäre nie gelungen. Als aber dieser gewaltige Genius 
des Künstler-Brüderpaares sie neben den Thaten seiner eigent- 
lichen, der höheren geistigen Bestimmung mitnahm im Sieges- 
zuge, da fand sie als Beigeordnetes und im überwiegenden 
Einwirken jener grossen Bewegungen im ganzen ldeenkreise 
der Kunst, leichten, unvermerkten Eingang; sie erscheint da 
wie ein Client im Gefolge seines unwiderstehlichen Patrones. 
Wie vor den van Eyck es eine Oelmalerei gab, malten 
vor Giotto die ältesten Italiener a tempera. Wie jene von 
Tempera ward hier dieses von der byzantinischen Manier unter- 
brochen, erst Giotto stellte die Malweise mit Eistoffen wieder 
her. Es ist aber Niemandem eingefallen, ihn deshalb zum Er- 
linder der Tempera-Technik zu machen, wie van Eyck jener des
        

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