Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Heraclius, von den Farben und Künsten der Römer
Person:
Heraclius Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1281068
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1283073
BER DIE ÖLMALEREI. 
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Längst hatte man in der Bauweise aufgehört, jene ge- 
waltigen, massigen Kirchen mit ihren kolossalen Mauern aufzu- 
thürmen, Welche Belebung des kahlen, monotonen Anblicks 
durch Gemälde dringend erforderten. An die Stelle waren fein- 
gegliederte Formen getreten, die in der Befolgung eines neuen 
Principes die Fläche bis zum Aeussersten meidend, die verticale 
Entwicklung in ausgesprochenster Weise bevorzugen, somit die 
malerische Ausstattung auf ein Geringes, blosses Ornament, 
beschränken. S0 ward dem Fresco der Boden weggezogen. 
Anderseits aber bewirkten sehr verschiedene Ursachen eine 
Veränderung der Altäre, die immense Pracht der romanischen 
Zeit musste in dem Masse abnehmen, als immer zahlreichere 
Kirchen und Kirchlein sich erhoben; Gold, Silber, Elfenbein 
und Email blieben nur den allerreichsten Altären, während 
man bei der ungeheueren Menge der anderen bald für ein 
Surrogat sorgen musste. Namentlich als im 14.. Jahrhundert 
der grosse geistige Umschwung durch die Mystiker im 
Norden eintrat, blühte das Bilderwesen allgemein empor: 
ihre Hauptlehre vom innigen Selbstverkehr des Individuums 
mit der Gottheit begünstigte überaus die Haus- und Privat- 
andacht und öffnete den heiligen Darstellungen nun auch 
die bürgerliche Wohnung. Diese beiden Umstände schufen 
das Leben der Tafelmalerei und sind es zugleich gewesen, 
die der alten unvollkommenen Oeltechnik Gelegenheit zur 
Entwickelung darboten. Wir sind in der Periode der van 
Eyck angelangt.  
Sobald die Uebersicht der Geschichte der Oelmalerei 
diesen Punkt erreicht hat, zeigt sich bei eingehender Behand- 
lung die nicht eben angenehme Nothwendigkeit, zugleich eine 
Geschichte des langen und breiten, nun gerade ein Jahrhundert 
währenden Streites pro und contra Vasari zu schreiben. Jeder 
neue Darsteller der Sache ist bemüssigt, seine etwa hinzuzu- 
fügenden Ansichten und Auffassungen auf Grundlage all" dieser 
endlosen Discussionen vorzubringen und selbst im Falle, dass 
er sich jeglicher eigenen Beleuchtung des Gegenstandes enthält, 
erfordert es die Vollständigkeit, den langwierigen und doch 
noch nicht abgeschlossenen Process immer wieder, mit allen 
Verirrungen, durchzuarbeiten. Wir werden aber bei dieser
        

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