Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Heraclius, von den Farben und Künsten der Römer
Person:
Heraclius Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1281068
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1282921
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EXCURS 
geordneter Weise von dem alten Temperaverfahren abging, so 
wird die Antwort dieselbe sein müssen, wie sie lautete, als die 
Gründe derselben Erscheinung bei den Griechen in Erwägung 
gezogen wurden. Auch hier werden wir uns gestehen müssen, 
dass alle technischen, materiellen Verhältnisse, die man in Be- 
tracht nehmen kann, gegen einen inneren, wichtigeren Grund 
zurücktreten. Auch hier entwickelte sich die Oelmalerei erst in so 
geringem Grade noch, weil das Bedürfniss nach ihr kaum vorhanden 
war. Die Motivirtmg fällt nicht schwer. Denken wir nur einmal 
daran, dass alle Künste, der Kirche zu huldigen bestimmt, als 
Geistesproducte ivvie alles Uebrige, Dienerinnen dieser allgemeinen 
Herrin der Geister gewesen. S0 gehörten denn die einzelnen 
Leistungen und Gebilde dieser verschiedenen Künste in die 
Kirche, das Werk der Baukunst, welche, das gelungenste Sym- 
bol ihres riesigen Ideengebäudes zu schaffen im Stande war. 
Eine Kirche jener Periode verlangte aber aus zwei Rücksichten 
malerische Ausstattung, wie die Oeltechnik solche erst in spä- 
teren Zeiten des grössten Raffinements noch nicht in so schlicht- 
einfacher Weise zu bieten vermochte. Die beiden Ursachen 
aber sind: eine geistige, eine materielle. Die letztere besteht 
einfach darin, dass die mächtigen Wandflächen der romani- 
schen Bauten Frescoschmuck, also in Theoph. Tagen keine 
Oelmalerei erforderten, die andere ergibt sich aus dem Ge- 
sammtcharakter des damaligen Verkehrs der Kirche mit den 
Gläubigen, der ein durchaus epischer war. Die heiligen Ge- 
schichten, an denen das Volk so hohe Freude fand, gingen in 
der aus Schilderungen und Beispielen zusammengereihten Pre- 
digt, in den gleichfalls erzählenden, noch sehr Lindramatischen 
Mysterien u. dgl. h. Spielen, in den von geistlichen Personen 
verfassten Gedichten der Zeit (Annolied, Frau Ava etc.) wie ein 
fortlaufendes Epos an den Gemüthern vorüber, daher musste 
auch die Malerei, welche damals eben wieder vom Concil zu 
Arras (1025) als Dolmetscherin der Schrift für die Unkundigen 
aufgerufen worden war, in einer dem epischen Stoffe würdigen 
Grösse des Styls erscheinen, deren die Oelmalerei eben niemals 
fähig gewesen ist.  
Wenn nun doch in so früher Periode eine neuartige Be- 
handlungsweise der Farben verhältnissmässig viel in Uebung
        

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