Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Heraclius, von den Farben und Künsten der Römer
Person:
Heraclius Ilg, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1281068
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1282390
ZRLÄUTERUNGEN. 
107 
Sollte diese liebliche, poetische Weise, wie der Maler am 
hohen Sommermorgen im freien Gefilde sich die Blumen zu 
seinen Farben pfiückte, nicht vielleicht in einem sehr natürlichen 
Zusammenhang mit der vielbeliebten Anbringung von Blumen 
in den Miniaturen späterer Zeit stehen? Die Verzierungsweise 
dieser Malereien selber, die stylistischen Ornamente, heissen 
Hores, Hosculi, die Arbeit deHorare und in den livres d'heures 
namentlich ist eine ganze MaiHur auf das Pergament gezaubert, 
wie das sonst selten vorkommt (denn die Tafelbilder der alten 
Niederländer mit ihrem Blumenschmuck beruhen, was dies 
betrifft, wieder nur auf der älteren französischen Miniatur- 
malerei). Ich glaube nicht, dass hiebei der ldeen-Association ein 
zu grosser EinHuss beigemessen sei. 
Diejenigen cap. des Heraclius, welche Miniaturmalerei 
betreffen, scheinen dem damals bereits mächtigen Einfluss von 
Byzanz zugeschrieben werden zu müssen. Der wilde, formlose 
Styl der Langobarden hatte schon im 7. Jahrhundert durch 
dieses Element Einbussen erlitten (Rumohr, it. F. I. 186  
und verlor sich gänzlich, als im Verlauf des Bilderstreites, also 
im folgenden Saeculum, immer mehr griechische Künstler in 
Italien Aufnahme fanden und daselbst an Mosaiken und Minia- 
turen arbeiteten. Was nun die letzteren anbelangt, so ist 
bekannt, dass merkwürdigerweise im 9. und I0. Jahrhundert, 
d. i. also in der Periode unseres Tractates, der Styl der Bücher- 
malerei eine beachtenswerthe Renaissance erfährt und auf die 
spätrömischen Werkedm antiken Charakter zurückgeht. Hieher 
gehören die prachtvollen Codices der kaiserlichen Bibliothek in 
Paris (YVaagen, Kunstw. und Künstl. in Paris, p. 201 FR), in 
welchen Formen und Erlindungen des 5., 6. Jahrhunderts 
beinahe copirt sind. Wenn wir nun unser prooemium wieder 
erwägen, so sehen wir darin die Schreibekünste gleich vor 
allen hervorgehoben und im Zusammenhang hiernit nach der 
Klage über das Sinken der römischen Herrlichkeit sogleich auch 
auf die alten Meister Bedacht genommen, deren Künsten eine 
Wiederbelebung gewünscht wird. Da wir aber von vorchrist- 
lichen Miniaturen nichts wissen, so kann nicht allgemein auf 
die antikrömische Grösse hingezielt sein, sondern es hat der 
Verfasser jene schöne Blüthe der Miniaturmalerei in jenem 5.,
        

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