Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400135
Sitten äusserst fein und artig war; so zwar, dass er selbst für 
Alle nicht minder anziehend war, wie seine Figuren. 
Fab. Es ist nicht genug zu behaupten, diese Studie des 
Nackten sei schön und vollendet; man muss es auch beweisen. 
Aret. Antwortet mir vor Allem auf eine Frage. Sind 
Rafaels Arbeiten im Nackten etwa verrenkt, zwerghaft, Heischig, 
zu dürr? sind die Muskeln daselbst nicht in ihrer richtigen 
Lage? oder finden sich da andere Mängel vor? 
Fab. Ich habe immer gehört, dass sie gelungen sind; 
dass sich aber bei ihnen nicht jene künstlerische Fertigkeit vor- 
findet, die man an jenen des Michel Angelo sieht. 
Aret. Worin besteht diese Kunstfertigkeit? 
Fab. Sie haben nicht die schönen Contouren, welche 
denen dieses Letzteren eigen sind. 
Aret. 
Welche 
sind 
diese 
schönen 
Contouren? 
Fab. Die sind's, welche jene schönen Beine, jene 
Füsse, Hände, Rücken, Hüften und Alles Uebrige im 
angeben. 
schönen 
Umrisse 
Aret. Also Euch, 
scheint es nicht, dass 
schaften besitzen? 
und den Parteigängerlu des Michel Angelo 
Rafaels Nuditäten diese schönen Eigen- 
schöne 
Grade, 
Fab. Nicht nur schöne sage ich, sondern sehr schöne 
Eigenschaften weisen sie nach; aber nur nicht in dem Grade; 
wie die Nuditäten des Michel Angelo. 
Aret. Woher entnehmt Ihr die Regeln, um dieses Schön- 
heitsmaass zu beurtheilen? 
sehr 
dem 
Fab. Ich glaube wohl, 
sagtet, dem Natürlichen und 
dass man sie, wie Ihr ja selbst 
den Statuen der Antike entneh- 
ITICH 
müsse. 
Aret. 
Dann werdet Ihr 
zugeben, 
dass 
die Nacktheiten 
des 
Rafaels 
alle 
Vorzüge 
des 
Schönen 
und 
Vollendeten 
3 D 
sich 
haben; denn selten führte 
oder die Antike sich zum 
er eine Arbeit aus, ohne die Natur 
Vorbilde zu nehmen. Daher auch
        

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