Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400112
dabei der Unzahl anderer Bilder von ihm Erwähnung zu ma- 
chen, die über ganz Italien verbreitet sind, und durchgehends 
herrliche Schönheiten athmen. 
Fab. 
Allerdings 
habe 
ich 
Rom 
und 
anderswo 
viele 
Schöpfungen Rafaels gesehen, die unstreitig wahre Wunder sind, 
und die, was Erfindung betrifft, jene des Michel Angelo er- 
reichen, vielleicht auch übertreffen. Aber hinsichtlich der Zeich- 
nung, wie könnt Ihr ihn da mit Letzterem vergleichen? 
Aret. Immer werde ich Euch, Fabrini, wie bisher Euere 
Meinung lassen, und das umsomehr, als ich ohnehin nichts 
daran ändern kann. Denn nicht Alle sind durch Vernunftgründe 
zu überzeugen: theils aus Eigensinn, theils aus Unwissenheit 
und 
theils 
EIUS 
Aifectation. 
Ihr 
selbst 
seid 
V01] 
beiden 
ersteren 
Eigenschaften frei; 
verzeihlich ist, die 
steckt Euch an, die allerdings 
schon einmal citirte: 
nur die dritte 
aber, wie ich 
"Gar 
oft lässt falsch seh'n selbst gesunde Augen." 
(Spesso occhio ben san fa veder torto.) 
In Betreff der Zeichnung, welche den zweiten Factor bildet, 
muss man den Menschen, laut dem Vorhergehenden, angekleidet 
und nackt, in Betracht ziehen. Was die nackte Gestalt anbe- 
langt, so gestehe ich, dass Michel Angela's Kunst an das Wun- 
derbare und Uebcrmenschliche streift. Noch nie hat ihn Jemand 
übertroffen; Wohlverstanden aber nur in einer Richtung: in 
jener nämlich, eine stark muskulöse und inarkirte Nudität, reich 
an Kürzungen und ungemein kühnen Wendungen, welche die 
ganze Schwierigkeit der Technik im Detail zeigen, darzustellen. 
Jeder Körpertheil, und dann wieder Alle als Ganzes zusammen- 
genommen, sind so verzüglich gemacht, dass ich zu sagen 
wage: man könne etwas Herrlicheres und Vollendeteres über- 
haupt nicht leisten, ja nicht einmal sich denken. Im übrigen 
aber steht er nicht blos tief unter sich selbst, sondern tiefer 
als Andere; denn er kann nicht  oder will nicht  die Un- 
terschiede an 
Quelleuschriften 
Alter und Geschlecht 
f. Kunstgeschichte etc. ll. 
berücksichtigen, 
6 
die 
wir
        

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