Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400061
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meinen 
seinen 
Gestalten 
ein 
sanftes 
und 
liebreizendes 
Wesen, 
welches bezaubert und hinreisst, verleiht, so häilt er nichts- 
destoweniger in den Köpfen der Heiligen, besonders der heiligen 
Jungfrau, der Mutter des Heilandes, immer wieder einen ge- 
wissen Zug von Heiligkeit und Göttlichkeit fest, der nicht blos 
im Gesichte, sondern auch in der ganzen Haltung sich kund- 
Gedanken zu 
Seite der Er- 
gebend, dem Geiste der Menschen jeden bösen 
entwinden scheint. D'rum steht Rafael, was diese 
Endung 
betrifft, 
sowohl 
hinsichtlich 
des 
Historischen, 
als 
auch 
hinsichtlich 
der 
Angemessenheit 
höher. 
Fab. 
Mir 
will 
CS 
nicht 
einleuchten , 
dass 
Michel 
Angelo 
in der Composition des Historischen dem Rafael nachstehe; ich 
glaube vielmehr das Gegentheil, das heisst: dass Michel Angelo 
ihn weit übertreffe. Auch wird behauptet, dass in der Anord- 
nung seines wunderbaren "Gerichtes" gewisse tiefgedachte Alle- 
gorien enthalten sind, die allerdings nur von Wenigen verstan- 
den 
werden. 
Aret. 
Das 
wäre 
an 
und 
für 
sich 
nur 
lobenswerth; 
denn 
CS 
würde 
den 
Anschein 
haben, 
dass 
Cf 
dabei 
jene 
grossen 
Philosophen nachgeahmt habe, welche die höchsten Mysterien der 
göttlichen sowie der Weltweisheit hinter clen Schleier der Poesie 
versteckten, um vom Pöbel nicht verstanden zu werden, da sie 
Perlen den Schweinen nicht vorwerfen mochten. Ich wollte 
daher annehmen, dass dies die Absicht Michel Angelds gewe- 
scn sei, wenn man nur nicht in seinem "jüngsten Gerichte" 
auch noch lächerlichen Dingen begegnen würde. 
Fab. 
Und 
welche 
sind 
diese 
lächerlichen 
Dinge?- 
Aret. 
Ist 
nicht 
lächerlich, 
sich 
im 
Himmel 
LIHICF 
der 
Menge der zur Seligkeit berufenen Seelen, deren einige zu 
denken, die sich zärtlich küssen, während doch ihr ganzes 
Wesen nur auf göttliche Betrachtung und auf das eben zu er- 
Hiessende Urtheil gerichtet sein sollte; und dass an einem so 
furchtbaren Tage, wie der Tag des jüngsten Gerichtes, laut
        

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