Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400033
73 
F a b. 
messenheit 
Hat 
nicht 
etwa der grosse Michel 
ebenfalls beobachtet? 
Angelo 
diese 
Ange- 
Aret. 
Wollte 
ich 
Euch 
und 
seinen 
anderen 
Gönnern 
ZU 
Gefallen sprechen, so würde ich sagen: ja. Soll ich aber der 
Wahrheit gemäss reden, so antworte ich: nein. Findet Ihr auch 
in den Bildern des Michel Angelo den allgemeinen Unterschied 
des Alters und des Geschlechtes ausgedrückt (was ohnehin Je- 
dermann zu Stande bringt), so findet Ihr ihn gewiss nicht 
ebenso in der Wiedergabe der einzelnen Muskeln. Ich will 
hier nicht an eine Kritik seiner Werke gehen; theils ob der 
Verehrung, die ich für ihn hege, und die ein so grosser Mann 
wohl verdient, theils weil sie kaum nothwendig erscheint. Was 
aber sagt Ihr im Punkte der Ehrbarkeit? Scheint Euch, dass 
es angemessen sei, blos um die Schwierigkeiten der Kunst 
darzuthun, immer jene nackten Theile an den Menschengestal- 
ten zuchtlos zu enthüllen, welche Scham und Ehrbarkeit ver- 
hüllt halten, und das, ohne irgend welche Rücksicht zu neh- 
men, sei es auf die Heiligkeit der dargestellten Personen, sei 
es auf die Räumlichkeiten, in welchen sie uns vorgeführt werden? 
Fab. Ihr seid wohl zu streng und zu gewissenhaft. 
Aret. Wer wird wagen zu behaupten, es habe nichts auf 
sich, dass man in der Kirche des heiligen Petrus, des Fürsten 
der Aposteln, in einer Stadt wie Rom, welche von der ganzen 
Welt aufgesucht wird, in der Capellc des Papstes, der, wie 
Bembo mit Recht sagt, als ein Gott auf Erden erscheint, dass 
man da so viele gemalte nackte Figuren sieht, die ohne alle 
Schamhaftigkeit ihre vorderen und rückwärtigen Theile zur 
Schau tragen? Das ist unstreitig, mit allem möglichen Respect 
vor dem grossen Künstler gesprochen, einer geweihten Stätte 
ganz und gar unwürdig. Die Gesetze verbieten den Druck ob- 
scöner 
Schriften; 
UITI 
wie 
viel 
mehr 
sollten 
sie 
die 
Zurschau- 
solcher Bilder verbieten. Oder glaubt Ihr vielleicht, 
den Geist fromm stimmen, und ihn zur Betrachtung 
legung 
dass sie
        

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