Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400021
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„Der Dichter und der Maler gibt's nicht viele, 
Der Maler mein" ich, die des Namens Werth sind." 
(Sono i Poeti ed i Pittori pochi, 
Pittori, che non sian del nome indegni.) 
Was aber die Erre un betrifft so habe ich hier in Venedi 
8 g , g 
nur wenige Bilder (jene des göttlichen Tizians natürlich aus- 
genommen) gesehen, welche eine solche bewirken. 
Aret. 
Wenn 
wir 
also 
alle 
Momente 
untersuchen, 
welche 
zur Malerei gehören, so werden wir finden, dass Michael Angelo 
nur eines davon, und zwar die Zeichnung besass; während 
Rafael sie alle, oder doch wenigstens die grössere Anzahl der- 
selben, sein eigen nannte, nachdem allerdings auch Rafael kein 
Gott, dem gar nichts abgeht, sein konnte. Fehlte aber Rafael 
Etwas, so war es wenig, 
Fab. Beweist es. 
und 
VOH 
111.11" 
geringer 
WVichtigkeit. 
Aret. Wer zunächst, was Erhndung betrifft, die Bilder 
des Einen und des Anderen genau, und mit Aufmerksamkeit, 
in ztllen ihren Einzelnheiten prüft, wird finden, dass Rafael 
Alles hier Einschlägige wunderbar beobachtete, Michel Angelo 
hingegen wenig, oder gar nicht. 
Fab. Das schiene 
der Parallele. 
mir 
allerdings 
eine 
grosse Ungleichheit 
Aret. Dennoch behaupte ich hier nichts, was über 
Wahrheit hinausgeht. Hört rnir nur mit Geduld zu. Lassen 
die 
wir 
das 
Historische 
unberührt , 
WO 
Rafael 
die 
Geschichtsschreiber 
in 
einer 
Weise 
erreichte, 
dass 
oft 
das 
Urtheil 
der 
Kenner 
sich 
zur Ansicht 
verleiten 
lässt, 
dieser 
Maler 
habe 
in 
seinen Bildern 
die 
Ereignisse 
besser 
dargestellt , 
als 
die 
Schriftsteller 
CS 
in 
ihren Werken gethan, oder sei wenigstens gleichen Schritt mit 
ihnen gegangen. Reden wir von der Angemessenheit: Rafael 
hat selbe nie ausser Acht gelassen, und malte vielmehr Kinder, 
als wirkliche Kinder, nämlich weich und voll; Männer, kräftig, 
und Frauen mit jener Zartheit, die ihnen thatsächlich eigen ist.
        

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