Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1399989
die Farbe der Stoffe, der Seide, des Goldes, sowie deren 
charakteristische Eigenthümlichkeiten, in einer Weise nachzu- 
ahmen verstehen, dass man im Ernste glauben könne, die den- 
selben mehr oder weniger innewohnende Härte oder Weich- 
heit in Wahrheit zu sehen. Ein Gleiches gilt von der Darstellung 
des Waffenglanzes, der Nachtdunkelheit, der Tageshelle, der 
Blitze, des Feuers, der Leuchter, des Wassers, der Erde, der 
Steine, der Gräser, der Bäume, der Blätter, der Blumen, der 
Früchte, der Thiere, der Gebäude u. s. w., die alle so sorg- 
fältig gut reproducirt werden müssen, dass eine gewisse Lebens- 
treue an ihnen das Auge des Beschauers vor Ermüdung be- 
wahre. Man glaube ja nicht, dass die Wirkung des Colorits in 
der Wahl des schönen Lackes, oder der schönen Farben, als 
da, eines schönen Azurblau, eines schönen Grün, und derglei- 
chen bestehe; denn diese bleiben eben so schön, auch ohne 
dass man sie künstlerisch verarbeitet. Zweck der Kunst ist aber, 
sie entsprechend zu verwenden. Ich kannte in unserer Stadt 
einen Maler, welcher das Matrosenkleid täuschend zu malen, 
aber den Körper damit nicht zu kleiden, noch zu drapiren ver- 
stand; so dass es immer aussah, als wäre die: kein Matrosen- 
anzug, sondern nur ein Stück Kleid, das blos auf das Gerade- 
wohl auf eine Figur geworfen wäre. Andere können wieder 
nicht die Abstufungen in den Tinten der Stoffe nachahmen; 
sondern sie bringen nur die vollen Grundfarbe-an, wie sie eben 
sind, zum Vorschein, so dass man ausschliesslich nur diese an 
ihren 
Werken 
loben 
kann. 
Fab. 
Hier 
dürfte 
wohl 
eine 
gewisse 
verständige 
Nach- 
lässigkeit am rechten Platze sein, so zwar, dass weder ein zu 
greller Glanz des Colorits, noch eine affectirte Geziertheit der 
Gestalten zum Vorscheine komme; sondern dass Alles vielmehr 
das Gepräge einer anmuthendenHarmonie an sich trage. Gibt 
es doch Maler, die ihre Figuren sO putzig getirnisst vorbringen, 
dass selbe geschminkt scheinen; dazu noch mit so gesucht ge-
        

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