Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1399839
Er 
malt 
also 
schwarz 
die 
Augen, 
die 
Augenbrauen 
ebenfalls 
schwarz und zart gezeichnet, und die Nase sanft sich abwärts 
senkend, wobei er wahrscheinlich an die Form der Nasen 
dachte, die man an den Bildnissen der schönen Rörnerinnen 
des Alterthums sieht. Die weiteren Strophen Ariost's lauten 
ohne 
Unterbrechung: 
„Der schöne Hals wie Schnee, der frisch gefallen; 
Wie Milch der Busen; voll und Weiss die Brüste, 
Zwei Aepfeln gleich, die noch nicht reif: sie wallen 
Hinauf, hinab, dem Meere an der Küste 
Vergleichbar. Von den and'ren Dingen allen 
Kein Argusaug", das etwas säh" und wüsste. 
Indessen kann man denken sich gar leicht, 
Dass das Verhüllte dem Enthüllten gleicht. 
Es hat der Arm der Schönheit Maass, das strenge, 
Und auch die weisse Hand, die oft zu sehen, 
Und länglich ist, und in der Breiteenge 
Die Knochen wie die Adern vor nicht stehen. 
Zu Ende der Gestalt, voll Stolzgepränge, 
Lässt sich ein feiner, kleiner Fuss erspähen. 
So lockt und winkt das himmlisch süsse Bild, 
Es nützt kein Schleier da, und auch kein Schild." 
Die grosse Schwierigkeit liegt nun darin, dass, obwohl die 
Schönheit im Ebenmaasse besteht, dieses selbe Ebenmaass ver- 
schiedener Art ist, weil die Natur so gut wie in der Höhe der 
Menschen, auch bei ihrer Körpergestalt und bei den Kopfbil- 
dungen variirt. Daher sieht man grosse, kleine und mittelgrosse 
Menschen; die Einen fett und voll, die Anderen mager und 
zart, Andere wieder robust und nervig. 
Fab. Es wäre mir sehr angenehm, bester Freund, wenn 
lhr mir jetzt einige Regeln über das Maass des menschlichen 
Körpers bekannt geben wolltet. 
Aret. Recht gern will ich es thun; denn es dünkt mir 
eine grosse Schmach, dass der Mensch so viel Studium darauf 
verwendet, die Erde, das Meer und den Himmel abzumessen, 
und dabei sein eigenes Maass nicht kenne. Ich sage daher, dass,
        

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