Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1399829
Hier sehen wir vor Allem, was das Ebenmaass betrifft, dass der 
geistvolle Ariost das Correcteste feststellt, was selbst die aus- 
gezeichnetsten Maler als solches anstreben können; er bedient 
sich dabei des Ausdruckes „tüchtige Maler", um den Eifer 
anzudeuten, welcher dem echten Künstler eigen sein soll. 
Ferner hätte Ariost, welcher das Haar "blond" nennt, eben- 
sogut "ein goldiges Haar" sagen können; doch schien ihm 
diese Bezeichnung vielleicht zu poetisch übertrieben. Daraus 
lässt sich nun folgern, dass der Maler das Gold zwar nach- 
ahmen, aber nicht, wie dies die Miniaturmaler thun, in seine 
Bilder selbst hineinsetzen darfl); so zwar, dass man sagen könne: 
Diese Haare sind wohl kein Gold, aber sie glänzen wie Gold. 
Es freut mich hier diesen Punkt berührt zu haben, wenn auch 
die Sache selbst kein genaueres Eingehen verdient. Dabei er- 
innere ich mich bei Atheneus gelesen zu haben, dass, obwohl 
die Dichter dem Apollo das Epitheton "Auricornus", was, wie 
Ihr wisst, "goldenes Haar" bedeutet, beilegen, die Maler den- 
noch den Apollo keineswegs mit Haaren von Gold, und noch 
weniger mit schwarzem Haare, was noch schlimmer wäre, dar- 
stellen dürfen. Womirgesagt sein will, dass der Maler gehalten 
ist, die Eigenthümlichkeiten einer Sache mit den ihnen ent- 
sprechenden Unterscheidungen nachzubilden. Im weiteren Ver- 
laufe der Strophe colorirt Ariost und zeigt durch sein Colorit, 
dass er ein Tizian ist. Doch ist nicht hier der Platz davon zu 
sprechen. 
Ariost 
fährt 
dann 
fort 
und 
bringt 
folgende 
Strophe: 
"Unter zwei schwarzen, feingezoghen Bogen 
Sah man zwei schwarze Augen, nein, zwei Sonnen, 
Die maassvoll winken, und doch mildgewogen, 
Und aus den Amor, reich an Scherz und Wonnen, 
Die Pfeile rastlos schoss, die umher flogen, 
Und jedes Herz als Beute bald gewonnen; 
Inmitten des Gesichts dann sanft gesenkt, 
Die Nase, welcher Lob der Neid selbst schenkt." 
1) Vgl. mit dieser Stelle Cap. 96 des Trattato della pittura 
dazu auf pag. 167 im 1. Bande der Quellenschriften. 
Note 
und 
die
        

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