Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1399805
übrigens auch ein Factor der Zeichnung ist. Es genügt hier 
festzustellen, dass der Maler keine der Eigenthümlichkeiten der 
Erfindung vernachlässigen, noch überrnässigviel Gestalten auf'- 
nehmen, vielmehr bedenken soll, dass er selbe dem Auge des 
Beschauers vorzuführen hat, der durch allzugrosse Massen ver- 
Wirrt, sich leicht verstimmen lässt. Auch verstösst es gegen alle 
Naturgemässheit, dass sich in einem und demselben Augen- 
blicke so viele Dinge vor ihn hinstellen. 
Fab. In gleicher Weise verlangen die Sachverständigen, 
dass man den Poemen, besonders aber den Tragödien und 
zwar aus 
zu gross, 
Comödien, nur eine mässige Länge verleihe; und z" 
dem Grunde, weil ein belebter Gegenstand, wenn z 
lästig, wenn zu klein, geringschätzig erscheint. 
Aret. Obwohl nun der Maler hiermit an diese 
Gesetze 
der Anordnung und der Angemessenheit gebunden ward, so 
soll nicht gesagt sein, dass der Maler, so gut wie der Dichter, 
nicht manchmal diese enge Grenze überschreiten dürfe  jedoch 
niemals in dem Maasse, dass er dabei in gewisse Fehler ver- 
falle; denn es passt nun einmal nicht, dass man Trotziges und 
Liebenswürdiges, Grausames und Sanftes, wie Schlangen und 
Vögel, Tiger und Lamm miteinander verbinde. Und nun gehe 
ich auf die Zeichnung über. Die Zeichnung ist, wie ich schon 
bemerkte, jene" Form, welche der Maler den von ihm nachge- 
bildeten Gegenständen gibt, was wieder genau gesprochen aus 
einer Folge von verschiedenartig gezogenen Linien besteht, 
welche die Gestalten bilden. Das ist es, worauf der Maler vor 
Allem absolut sein ganzes Studium, seine ganze Aufmerksam- 
keit und seine ganze Arbeit verlegen soll; weil eine schlechte 
Zeichnung das Lob, das sonst die schönste Erfindung verdienen 
würde, vernichtet. Es reicht durchaus nicht hin, dass ein Maler 
eine geniale Ertindungsgabe besitze, wenn er nicht zugleich 
auch ein vortrefflicher Zeichner ist; denn die Erfindung mani- 
festirt 
sich 
HUF 
durch 
die 
äussere 
Form, 
und 
diese 
ist 
eben
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.