Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1399751
45 
Aret. Das besagt meiner Ansicht nach, dass die gesammte 
Haltung einer Darstellung, die mehrere Figuren umfasst, ein 
Ganzes bilden müsse, das harmonisch in einandergreift. Wenn 
ich zum Beispiel das in der Wüste vom Himmel fallende Manna 
in einem Bilde darstellen wollte, so müsste ich es so einrich- 
ten, dass alle bei der Sache dargestellten Juden in verschiede- 
nen Stellungen dieses göttliche Brot einsammeln; dass Alle eine 
grosse Sehnsucht darnach und auch grosse Freude an den Tag 
legen, und es nicht etwa aussehe, als sei irgend einer unter 
ihnen zurückgesetzt worden. Genau so, wie es Rafael in seinem 
Bilde that, der ausserdem noch eine wirkliche Wüste mit Holz- 
gebäuden, 
dem Moses 
die der Zeit und dem Orte entsprechen, erdachte, 
ein ernstes Wesen, eine lange bis zur Erde reichende 
Gewandung, 
eine 
hohe und 
würdige Haltung, 
ebenso 
aber 
den 
jüdischen 
Weibern 
gestickte 
Kleider, 
wie 
sie 
damals 
ZU 
tragen 
Anderseits darf ich nicht verschweigen, da man 
nie vorenthalten soll, dass Derjenige, welcher in 
pflegten, gab. 
die Wahrheit 
dem 
Saaß 
den 
man 
SOpraa 
nennt, 
neben 
dem 
Schlacht- 
bilde von Tizian 1), die Darstellung der von Alexander III. gegen 
Friedrich Barbarossa geschleudertelu EXCOIIIITIUHICIFLIIIg malte, 
sich 
bei 
dieser 
geschichtlichen 
Darstellung 
einen 
Irrthum 
ZU 
Schulden 
kommen 
liess. 
Nachdem 
nämlich 
seiner 
Com- 
position Rom zeichnete, so scheint mir, dass er höchst 
hörig gegen die Angemessenheit gesündigt habe, indem 
unge- 
er da 
eine 
SO 
grQSSC 
Anzahl 
venetianischer 
Senatoren 
anbrachte , 
die 
1) Dieses Gemälde ging bei dem Brande vom Jahre 1577 zu Grunde. 
Es wurde von Giorgione (nicht von G. Bellini) begonnen und nach dessen 
Tode von Tizian vollendet. Die Handlung, die es darstellt, ist nicht die von 
Dolce und Vasari erwähnte, sondern das Gemälde zeigte Friedrich Barbarossa 
in dem Momente, als er am Eingange zur Marcuskirche dem Pabste den 
Fuss küsst. s. Vasari ed. Le Monier. B. V p. 22. N. 6  Ueber die Schlach- 
tenbilder "Fiziaxfs, die auch Vasari ungenau beschreibt, siehe A. Majer 
„Della irnitazione pittorica, della eccelenzn delle opere di Tiziano." Venczia. 
1818. p. 324 329.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.