Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1399545
solche Abhandlung 
zwischen Maler qnd 
zu Statten kommen, 
Schriftsteller waltenden 
schon wegen 
Conformität. 
der 
Fab. Was mich betrifft, lieber Freund, so werde ich, 
gestützt auf unsere gegenseitige Vertraulichkeit nicht anstehen, 
Euch ein klein wenig von dem einzuschlagenden Wege, d. h. 
von der beabsichtigten Anordnung des Gegenstandes abzulen- 
ken, und Euch zu bitten, vor Allem ein Paar Worte über den 
Adel der Malerktinst zu sagen; denn wenn ich auch schon 
Manches darüber gelesen habe, so liegt es mir nicht mehr im 
Gedächtnisse; abgesehen davon, dass das, was das lebendige 
Wort vorbringt, immer etwas Besonderes an sich hat. Vor 
Allem solltet Ihr mir auseinandersetzen, 0b Jemand, der kein 
Maler ist, fähig sei, über Malerei zu urtheilen? Wahr ist's, 
dass ich in Euch selbst ein Beispiel vorfinde, da Ihr ohne 
jemals einen Pinsel in der Hand gehabt zu haben, ein wie 
bemerkt ungemein scharfsinniger Beurtheiler dieser Kunst seid; 
doch gibt es auch nur einen einzigen Aretino. Ich aber möchte 
schon darum etwas Näheres darüber erfahren, weil es Maler 
gibt, die da lachen, wenn sie Literatur über Malerei sprechen 
hören.  
Aret. Solche Maler müssen zu jenen gerechnet werden, 
die vorn Maler nur den Namen führen; hätten dieselben nur 
einen Funken Verstand, so wüssten sie, dass ein Schriftsteller 
auch Maler, dass Malerei auch Poesie und Geschichte ist; kurz 
dass alle Schöpfungen des gebildeten Geistes zugleich Malerei 
sind. Daher ward auch Homer von unserem Petrarca genannt: 
"Der erste Maler der vergangänen Dinge. 
(Prime pittor de le memorie antiche.) 
Doch nun will ich, bester Fabrini, soviel ich vermag, Euere 
anderen Fragen insgesammt erledigen, was gerade heute um 
so leichter sein kann, als wir, ohne befürchten zu müssen von 
Jemanden gestört zu werden, Musse und Bequemlichkeit genug 
zum Gedankenaustausche haben dürften; nachdem fast die ganze
        

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