Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1399505
wieder hergestellt, diesen frug, [wer wohl der freche Nichts- 
könner gewesen sei, der jene Gestalten so verunziert hätte? Er 
wusste nämlich nicht, dass Bastiano selbst es war, der jene 
Theile restaurirte, und sah nur den argen Unterschied zwischen 
den einen und andern Köpfen. Doch gehen wir über solche 
Ungleichheiten, die nicht sehr wichtig sind, hinweg, und kommen 
wir zur Malerei selbst.  
Aret. 
Ich 
hatte dasselbe 
bereits 
von Anderen vernommen. 
Fab. 
Erklärt mir 
was Malerei eigentlich 
also vor Allem, 
sei. 
Aret. Ich will es thun, obwohl das eine leichte, und aller 
Welt bekannte Sache ist. Ich behaupte daher in Kürze, dass 
Malerei nichts Anderes, als Nachahmung der Naturl) ist, und 
dass Jener, welcher sich ihr in seinen Werken am meisten 
nähert, auch der vorzüglichste Meister sei. Da aber diese Defi- 
nition etwas enge und mangelhaft erscheint, weil sie zwischen 
Maler und Dichter, der doch auch eine solche Nachahmung 
anstrebt, nicht unterscheidet, so füge ich hinzu, dass der Maler 
durch Linien und Farben, sei es auf Holz, Mauerwerk oder 
Leinwand, Alles nachzuahmen sucht, was sich dem Auge dar- 
stellt: während der Dichteridurch Worte nicht blos das, son- 
dern auch Alles 
differiren daher 
nachahmt, was sich dem GeiAste offenbart. 
in diesem Punkte, berühren sich aber in 
Beide 
ande- 
1'811 
SO 
sehr, 
dass 
[T1211] 
sie 
fast 
Brüder 
nennen 
kann. 
Fab. Diese Definirung ist 
minder der Vergleich zwischen 
fassbar 
Dichter 
und 
und 
eigen , 
Maler; 
wie nicht 
nachdem 
1) Mit dem Satze, dass die Malerei nichts anderes sei, als Nachahmung 
der Natur, sagt Aretino nichts Neues, er spricht nur das aus, was fast alle 
Künstler und Schriftstellef der Renaissancezeit dachten, und was sie in den 
Schriften jener Alten, die sie mit Vorliebe lasen, bestätigt fanden. Xenoph. 
Apom. 3, Longin de subl. 19. Quint. IX. 2. 
Lionardo da Vinci. „Quella pittura e pur laudabile, che ha piü con- 
formitä colle cose naturali." Trattato della Pittura 272. Ebenso Leon B. zälberti, 
Vasari
        

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