Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1399456
er noch lebte, bezeugen, wieviel auch seinerseits Rafael dar- 
auf hielt; denn Rafael pflegte mir fast immer jedes seiner 
Gemälde, vor Ausstellung desselben, zu zeigen, und ich war 
es, der vor Allem, Chigi überredete, die Wölbungsdecken seines 
Palastes von Rafael malen zu lassen. Aber, obwohl Beide mir 
befreundet waren, und der von ihnen noch Lebende mir heute 
noch seine Freundschaft bewahrt, so geht 
Schaft für die Wahrheit über Alles. Ich 
mir doch die Freund- 
werde daher euerem 
Wunsche in einem nicht entscheidenden Punkte entsprechen, 
da ich denke, dass über diese Bevorzugung für Rafael bei 
allen Kunstkennern die Acten bereits geschlossen sind. Doch 
wird die Sache insoferne von Nutzen sein, dass vorerst Etwas 
über die Bedeutung der Malerei gesagt werden muss. Ich werde 
daher zunächst erklären, was Malerei, und was die Aufgabe 
des Malers sei; dann, nach Besprechung aller ihreriTheile, 
schliesslich zu einem Vergleiche der beiden genannten Künstler 
gelangen. Ausserdem will ich auch noch von einigen anderen 
Malern, besonders aber von Tiziamgreden. 
Fab. Wohl weiss ich, dass Viele sehr günstig über Ra- 
fael geschrieben haben; so z. B. Bembo, der ihn dem Michel 
Angelo gleichstellt, und das zu einer Zeit schrieb, da Rafael 
noch ein Jüngling war; so Castiglione, welcher ihm den ersten 
Platz anweist; ebenso Polidoro Virgilio 1), welcher ihn mit 
Lügner glauben, der wegen seiner Schlechtigkeiten aus dem Hause des A. 
Chigi, der ihn gastfreundlich aufgenommen ltatte, gejagt worden? S0 wird 
auch sein freundschaftliches Verhältniss zu Rafael, womit er sich brüstet, 
wohl nur ein sehr vorübergehendes gewesen sein." Der von De Piles in 
seiner "Conversations sur la peinture", p. 261, erwähnte Brief RafaeVs an 
P. Aretino beruht nach P. auf dieser missverstandenen Stelle Dolce's. 
1) Polidoro V irgilio oder Vergilio, Geschichtsschreiber, geb. zu 
Urbino gegen 1470, starb daselbst gegen 1555. Er brachte einige Zeit in Eng- 
land unter Heinrich VIL, Heinrich VIlI., zu. Eines seiner Hauplbücher ist 
das Werk „De inventoribus rerum," Venedig 1499. Sein Bruder Matteo war 
Professor" der Philosophie an der Paduaimer Universität.
        

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