Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1399405
Sarto, von Perino del Vaga und von Pordenone, die alle denn 
doch vortreffliche Maler waren, würdig, dass ihre Werke von 
Kennern gesehen und gelobt werden. 
Fab. S0 wie Homer der erste unter 
den 
Dichtern 
Grie- 
chenlands, Virgil unter den Lateinischen und Dante unter jenen 
Toskanas ist, so überragt Michel Angelo die Maler und Bild- 
hauer unserer Zeitepoche.  
Aret. _Ich will nicht leugnen, dass Michel Angelo heut- 
zutage ein seltenes Wunder der Kunst und der Natur sei, und 
dass Jene, welche seine Arbeiten nicht bewundern, gar kein 
Urtheil besitzen; besonders wenn es sich um den Werth der 
Zeichnung handelt, worin er ohne Zweifel excellirte. Er ist es, 
der zuerst in diesem Jahrhunderte den Malern die schönen Con- 
touren, die Verkürzungen, das Relief, die Bewegung, und Alles 
das zeigte, was beim vollendeten Studium des Nackten verlangt 
wird; lauter Eigenschaften, die man vor ihm nicht angetroffen 
hatte, ausgenommen natürlich Apelles und Zeuxis, welche, so- 
wohl laut Zcugniss der alten Dichter und Schriftsteller, als auch 
auf Grund dessen, was man aus der Vollendung der wenigen, 
trotz der Zerstörung der Zeit und der feindlichen Völkerschaften 
auf uns gekommenen Statuen entnimmt, uns erkennen lassen, 
dass sie darin höchst gewandt waren. Doch dürfen wir darum 
noch nicht bei Einem allein stehen bleiben  nachdem wir heute, 
dem Himmel sei'Dank, Maler besitzen, die dem Michel Angelo 
gleichkommen, und ihn theilweisc sogar übertreffen, wie das 
unstreitig bei einigen der Genannten d_er Fall ist; worunter es 
gegenwärtig Einen gibt, der Alle aufwiegt. 
Fab. Wenn Ihr das glaubt, Herr Pietro, so seid Ihr, ver- 
gebt mir, dass ich so sprechef in einem Irthume befangen, 
denn die Tüchtigkeit des Michel Angelo hat einen solchen Grad 
hier genannten Künstler darf man sich so wenig wundern, als über eine 
ähnliche, die im 33. Gesange des Orlando furioso von Ariost vorkömmt. 
Dolce und Ariost sprachen eben nur die herrschende Ansicht ihrer Zeit aus.
        

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