Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400457
mals, sieht man ja Leute beisammen, die so nach einer bestimmten Einthei- 
lung aussehen, der eine mit scharlachfarbem Kleide, der andere in gelbem, 
andere dunkelviolett, diese azurblau und jene kupfergrün. 
Diese schöne Manier, diese sorgliche Ueberlegung und diese hochedle 
Vollkommenheit der Kunst Endet man in den Werken RafaePs. Demzufolge 
ist es kein Wunder, dass er zeitlebens von allen bedeutendem Persönlich- 
keiten geliebt und geehrt worden ist, gleichwie von allen schönen Talenten, 
die damals blühten. Und als er starb, blieb in aller Welt sein Ruhm und 
die Bewunderung, so zwar, dass alle seine Blätter und Zeichnungen geschützt 
werden, wie man die Edelsteine und das Gold-im Werthe hält. 
Dieses sind zum Theil die Gründe, welche nach meinem Ermessen 
(wie es nun immer sei) Ursache sind, dass die Schöpfungen des Rafael 
höheres Vergnügen bereiten, als jene des Michel Angele. Nicht aber dass ich 
den Michel Angelo unterschätzte, wie bereits bemerkt wurde, denn, abgesehen 
davon, dass er der erste war, welcher in diesen Tagen der Malerei Licht und 
Vollkommenheit verliehen hat, so hält man auch dafür, dass er die Sculptnr 
zur Vorzüglichkeit der Antike zurückführte. Ihr werdet mich zvirar kühn 
nennen, dass ich über derlei Dinge so freimüthig spreche. aber wer sich auf 
solche Gründe stützt, kann nicht irren. Und, umgekehrt, geht eine ungeheure 
Schaar von Malern in der lrrc, welche sie nicht wissen. Und dann: weil sie 
eine Leinwand ungeschickt bekleksen oder das Holz mit einem Portrat oder 
verschiedene Figuren voll machen, die mehr nach einer alten Gewohnheit als 
aus innerrn Impuls oder aus Kunst hervorgegangen sind, wollen sie nicht 
allein für herrliche Meister gelten, sondern den Rafael, Michel Angelo und 
Tizian überragen; wenn man sie aber nicht schätzt, dann klagen nicht über 
ihre Unkenntniss, sondern über das Glück. Wie es ebenso bei vielen unsrer 
Schrifsteller zu gehen pflegt. Bleibet wohlauf und sagt dem begabten Cam- 
miletto: diesem überaus hoffnungsvollen Knaben, welcher sich so sehr ah- 
müht und stets wenig zu wissen glaubt, dass man auf diesem Wege zur 
erwünschten Vollkommenheit in einer Sache gelange. 
III. 
DEDICATIONSSCHREIBEN 
DES 
LODOVICO 
DOLCE 
AN 
TIZIAN, 
gelegentlich 
Uebcrsendung seiner Paraphrase der G. Saty 
(Vcnezia, prcsso Curzio Navö 1538.) 
der 
ÖCS 
luvenal 
An 
Messer 
Iwlzian: 
den 
Maler. 
Es hat uns, mein IFCffllChStCl' M. Tizian, Iuvenal, jener scharfsinnige 
Geissler und Tadel der Niederträchtigkeit seines Zeitalters, unter den andern 
seiner schönen Satyren eine hinterlassen, worin er einen Freund ermahnt, 
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