Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400362
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wöhnliche Menschen 
von seiner Hand zu 
sich rühmen 
besitzen. 
können, 
irgend 
welche Arbeit 
Aret. Unser Tizian ist also in der Malerei ohne Rivalen, 
und so zu sagen, ein göttliches Genie. Selbst Apelles dürfte, 
wenn er noch lebte, nicht glauben, sich Etwas zu vergeben, 
indem er ihm huldigte. Aber ausser der Vollendung in der 
Kunst, besitzt er noch andere Eigenschaften, die das höchste 
Lob verdienen. Er ist vor Allem bescheiden, schimpft nie über 
andere Maler, und spricht gerne mit Anerkennung über Jeden, 
der es verdient. Er ist ferner ein gewählter Redner, hat viel 
Geist, und urtheilt treHend in allen Dingen. Sein Naturel ist 
sanft, gefällig, liebenswürdig; sein Wesen anmuthsvoll; man 
braucht nur einmal mit ihm zu sprechen,  um ihn für immer 
lieb zu gewinnen.  
Fab. Das Alles ist sehr wahr, und da ich nun glaube, 
dass Euch nichts mehr übrig bleibt, über diesen Gegenstand 
zu sagen, so stellen wir als Schlussresultat fest, dass, obwohl 
es bis jetzt viele vortreffliche Maler" gegeben hat, folgende Drei 
dennoch den ersten Rang verdienen und einnehmen: Rafael, 
Michel Angelo und Tizian.  
 Aret. So ist es; aber mit der Unterscheidung, die ich da 
hervorgehoben habe. Gegenwärtig fürchte ich sehr, dass die 
Malerkunst wieder auf Irrwege gehe: denn Keinen unter den 
heutigen Jüngern sieht man erstehen, der zur Hoffnung berech- 
tigre, dass er zu einem Grade der Vollendung gelangen werde. 
Jene aber, die etwas Seltenes werden könnten, geben sich, 
vom Geize beherrscht. wenig oder gar keine Mühe bei ihren 
Arbeiten. 
Der 
Venetianer 
Battista 
Franco 
thut 
ES 
immerhin 
1) Der Florentiner Herausgeber D0lce's bemerkt zu dieser Stelle mit 
Recht: "Indessen, zur Zeit als dieses Buch veröffentlicht, standen in Ve- 
nedig in der Blüthe ihrer Thätigkeit Tintoretto, Paolo Veronese, Bassano 
und andere Maler, die wohl mehr genannt zu werden verdient hätten, als 
dieser Battista Franco, dessen Bilder man kaum kennt."  G. Battista Franco
        

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