Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aretino oder Dialog über Malerei
Person:
Dolce, Lodovico Eitelberger von Edelberg, Rudolf Cerri, Cajetan
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1398997
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1400287
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fälligen 
Gentile, 
1.1111 
sich 
dafür 
dem 
Bellino 
Giovamli 
mehr 
Zll 
nähern, 
der 
ihn aber 
nicht 
auch 
vollständig 
befriedigte, 
SO 
dass 
sich 
dann 
Giorgio 
da 
Castelfranco 
wählte. 
In 
Gemeinschaft 
nun mit Giorgione (denn so ward Giorgio da Castelfranco auch 
genannt) zeichnend und malend, errang Tizian gar bald einen 
so gefeierten Namen in der Kunst, dass, als Giorgione die Ar- 
beiten anäder dem Canal grande zu gelegenen Fagade des Ma- 
gazins, genannt „F0ndaco de, Tedeschi" aufnahm, Tizian, wie 
ich schon erzählte, obwohl damals kaum erst 20 Jahre alt, die 
andere 
der Merceria 
zugewendete 
Seite 
des 
Gebäudes 
zur Aus- 
malung 
zugewiesen 
erhielt. 
Er 
malte 
dort 
eine 
Wundervolle 
Judith l), die in Zeichnung und Colorit so über allen Ausdruck 
vorzüglich ist, dass, als sie enthüllt ward, alle Freunde des 
Giorgione selbe durchgehends für 
beeilten, ihm über diese Arbeit, 
sein Werk hielten, und sich 
als über das weitaus Beste, 
was er je geleistet, ihre Complimente und Glückwünsche dar- 
zubringen. Zu seinem grossen Verdrusse antwortete ihnen Gior- 
gxone, 
dass 
sie 
VOI'1 
der 
Hand 
seines 
Schülers 
stamme, 
der 
reits 
Zeige, 
dass 
den 
Lehrer 
übertreffe, 
und 
hielt 
sich 
hier- 
auf 
W85 
das 
Schlinnnste 
ist 
einige 
Tage 
wie 
ein 
Ver- 
zweifelter zu Hause, untröstlich darüber, 
Mann schon mehr wisse als er selbst. 
gar S0 junger 
dass ein 
Fab. Man erzählt mir, 
schon im Mutterschoosse ein 
Giorgione habe gesagt, 
Maler gewesen. 
Tizian 
sei 
Aret. Kurz darauf ward er mit der Ausführung eines 
grossen Bildes für den Hochaltar der Minoritenbrüder-Kirche, 
genannt „dei Frari", in Venedig beauftragt 2). Noch immer sehr 
1)lTizian's Judith beschreibt Ridolfi Le Maraviglie dell" Arte 
Venezia. 164.8. I. p. 138. "Sehr stolz ist die Figur der Judith oberhalb des 
Eingangsthores. Sie setzt den linken Fuss auf den abgehauenen Kopf des 
Holofernes, das bluttriefende Schwert in der Hand; zu den Füssen ist ein 
Diener mit einem Barettone am Haupte, von reizendem Colorite. Vasari irrt 
auch diesmal, wenn er diese Figur dem Giorgione zuschreibt." 
l) Die Assunta Tiziaifs wird gewöhnlich in das J. 1516 gesetzt,
        

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