Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Moderne Maler
Person:
Ruskin, John Broicher, Charlotte
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1277533
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1280662
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da Fiesole, deren Werkzeug manch harte Ecke stehen 
lässt und alle Rundung verschmäht, dafür aber Licht 
ausmeißelt und Atem aushaucht, dass der Marmor 
schimmert und der Geist herausleuchtet. Mino blieb 
bei 
der 
Menschennatur 
stehen. 
Wohl 
erblickte 
er 
ihre Seele, aber nicht die Gegenwart der Geister um 
sie her. Es war Michelangelo vorbehalten, tiefer 
einzudringen und die einwohnenden Engel zu schauen. 
Keines Menschen Seele ist allein. Laokoon frisst die 
Schlange am Herzen und Tobias hält der Engel an 
der Hand. Die geistigen Mächte, die den Menschen 
begleiten, sind als Licht oder als Furcht auf seinem 
Antlitz sichtbar. Buonarottis körperliche Gestalten, 
so fest, so weiß und greifbar wirklich, werden un- 
weigerlich als Ausdruck oder Behausung einer un- 
endlichen, unsichtbaren Macht empfunden. So beginnt 
der Erdboden des Adam in der Sistina zu brennen. 
So bricht die Gestaltung des Weibes als Anbetung 
aus Adams Schlaf hervor. So rasten über uns, ge- 
bannt in ihre irdische Gestalt, die zwölf gewaltigen 
Ströme des Gottesgeistes. Die, durch welche die 
Verheißung und Gegenwart Gottes herniederkam, von 
Eva bis hin zu Maria, harren im Schatten der Zu- 
kunft; eine jede getreu und gesammelt in ihrer Er- 
wartung, stille vorausschauend von ihrem steinemen 
Throne,  Bausteine des Gotteswortes. 
Nicht nur die Schreckensscharen, von der Erde auf- 
gejagt durch die Winde aus den vierEcken des Ge- 
richts, sondern jedes Bruchteil, jedes Atom von Stein,
        

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