Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Moderne Maler
Person:
Ruskin, John Broicher, Charlotte
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1277533
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1280428
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Baume heraus. Nimmst du sie fort, dann rauschen 
uns die Zweige nicht mehr. Alles ist kalt und tot. 
Dies ist der erste Beweis wahrhafter Fantasie, im 
Gegensatz zur Komposition. Es gibt aber noch einen, 
der ebenso wichtig ist. 
Da der fantasielose Maler jeden Teil wählt und zu- 
stutzt, macht er ihn in sich so schön wie er kann. 
Ist er hässlich, dann lässt er ihn. so; er ist unfähig, 
dies durch eine andere Hässlichkeit zu korrigieren, 
und wählt deshalb alle Einzelzüge so schön wie mög- 
lich. (Wenigstens, wenn Schönheit sein Objekt ist.) 
Aber nur ein kleiner Teil der Vorstellungen, die er 
zur Hand hat, werden seinen Maßstab absoluter 
Schönheit erreichen. Und unter ihnen wird eine so 
große Familienähnlichkeit herrschen, dass er immer 
mehr beschränkt wird, je weiter sein Bild fort- 
schreitet, aus Mangel an Material und weil ihn multi- 
plizierte Ähnlichkeiten quälen, die er künstlich unter 
Schatten und Licht verbergen muss. Und trotz aller 
nur erdenklichen Unterschiede wird sein Baum doch 
dieselbe kränkliche Wiederholung in allen Teilen zei- 
gen; all seine Bäume werden dieselben sein, nur dass 
der eine sich nach Westen und der andere nach Osten 
neigt. Und doch werden in dieser inzipiden Wieder- 
holung die Mittel, mit denen er Gegensätze bewirken 
möchte, peinlich sichtbar bleiben und alle Würde und 
Ruhe aufheben. 
Das fantasievolle Werk ist notwendigerweise das 
Gegenteil. Da seine Einzelheiten alle unvollkom-
        

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