Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Moderne Maler
Person:
Ruskin, John Broicher, Charlotte
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1277533
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1280226
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moralische Irrtum hat dies üble Folgen für die Kunst 
gehabt, da selbst ihre größten Maler nicht von diesen 
Flecken frei blieben. Fra Angelico z. B. verweilt in 
seinen Passionsbildern immer bei der körperlichen 
Tortur und spart nicht das Blut. Giotto, größer in 
der Behandlung, malt kaum wirkliches Blut in der 
Kreuzigung über dem Tore des Klosters von San 
Marco, er lässt es in konventioneller Weise aus Jesu 
Füßen strömen und sich als dunkelrote Schnur selt- 
sam um einen Totenkopf winden. Die Darstellungen 
dieser großen Meister blieben aber immer vornehm, 
im Gegensatz zu den Schreckbildern der späteren 
Maler. Diese vier Leidenschaften wirken in jedem 
Grade erniedrigend auf die menschliche Gestalt. 
Alle Leidenschaft wird unedel, wenn sie auf unwürdige 
Objekte fällt; denn dadurch erscheint sie banal und 
ungerechtfertigt; oder wenn sie in ruchloser Heftig- 
keit entbrennt und die menschliche Würde aufhebt. 
_]eder Schmerz ist edel oder unedel, je nach dem 
Wert und der Würde des betrauerten Objekts, und 
der Größe der Seele, die ihn erleidet. Der Kummer 
verletzter Eitelkeit oder des Geizes ist einfach wider- 
lieh. 
Selbst 
der Schmerz 
über 
eine 
verlorene 
Liebe 
kann erniedrigend wirken, wenn er sich selbstsüchtig 
und ungezügelt erzeigt. Aller Schmerz, der die Züge 
verzerrt, ist unedel, weil gewöhnlich seicht und sicher- 
lich bald vorübergehend, wie bei Kindern. Doch kann 
in dem Schreck und Schauder, der die Züge eines 
kräftigen Mannes unter plötzlichem, heftigem Schmerz
        

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