Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Moderne Maler
Person:
Ruskin, John Broicher, Charlotte
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1277533
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1277960
liche Wahrheit der Natur bietet sie uns menschliche 
Surrogate. Das sind Zeichen einer niedrigen, falschen 
Schule. Das Können des Künstlers und seine Voll- 
endung erweist sich erst darin, dass man jenes über 
dieser vergisst. , 
Einer großen Dichtung gegenüber sind wir ganz in 
den Inhalt versenkt. Wir sehen, wie der Künstler 
sieht, aber wir sehen ihn nicht. Wir werden Teil 
von ihm, wir fühlen, urteilen wie er. Denken wir 
an Aeschylos, während wir Kassandras Schweigen 
lauschen? Oder an Shakespear, während wir Lears 
Wehklagen horchen? Die Größe des Meisters offen- 
bart sich in seiner Selbstvernichtung. Jeder große 
Dichter lenkt den Sinn von sich auf die Schönheit, 
die er nicht geschaffen, und auf das Wissen, das 
seine Erkenntnis übersteigt. 
Dasselbe gilt von der Malerei. Aber bisher hat die 
Landschaftsmalerei nicht gesucht, Gott die Ehre zu 
geben. Ist der Leser starr bei diesen Worten, als 
wollte ich die Würde der Religion damit herabsetzen? 
Sein Erstaunen ist ein Beweis, dass mein Standpunkt 
der rechte ist. Es klingt wie wilde, törichte Trunken- 
heit, eine bestimmte moralische Wirkung von der 
Landschaftsmalerei zu erwarten. Aber muSS es so 
klingen? Ist die sichtbar gemachte Farbe, die wahr- 
genommene Herrlichkeit der Formation ein so wir- 
kungsloses Instrument in des Künstlers Hand, dass 
sie nur die Neugier befriedigen und die Langeweile 
vertreiben kann? Heißt es nicht die ihm zu Gebote
        

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