Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Moderne Maler
Person:
Ruskin, John Broicher, Charlotte
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1277533
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1280005
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die niemand sorgt und die sich allein durcharbeiten 
müssen. Sind nun allein die schönen Exemplare 
ideale Eichen, oder sind die armen, gemeinen Eichen 
auch ideal zu erachten; d. h. erfüllen sie die Be- 
dingungen, die der allgemeinen Vorstellung von der 
Eiche zukommen? 
[Ruskin geht hier, aus dem Begriff des Idealen in den 
des Charakteristischen über, und stellt damit das neue 
Kunstideal auf, das seine Berechtigung aus der Natur 
der Dinge schöpft. Dabei erschließt er die Seele 
der seelenlos erachteten Kreatur.] 
Die Tiere können umhergehen und sich ihre Nahrung 
suchen. Die Pflanzen sind festgebannt an ihren Ort. 
Darum erscheinen uns die Tiere für ihre Gesundheit 
und Vollkommenheit verantwortlich zu sein. Anders 
die Pflanzen. Sie stehen an Orten, die für sie 
verhältnismäßig ungeeignet sind. Sie sollen alle 
Lücken ausfüllen, sie sollen für den Bedarf an Grün, 
Kühle, Schmuck und Kohlensäure sorgen, und zwar 
ohne dass auf ihre Bequemlichkeit und Behagen 
Rücksicht genommen wäre . . . . So gibt es auch 
unter den Bäumen keine Musterexemplare, die als ihr 
Ideal hingestellt werden könnten. Wohl aber ist das 
eine ideale Eiche, die, sie mag noch so armselig, 
verkümmert oder sturmzerrissen sein, unter den ge- 
gebenen Umständen alles geworden ist, was sich von 
einer Eiche erwarten lässt. Das Ideal einer Park- 
eiche verlangt, dass der Baum zu seiner vollen Größe 
ausgewachsen sei, und sich zu abgerundeten, gleich-
        

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