Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Moderne Maler
Person:
Ruskin, John Broicher, Charlotte
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1277533
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1279596
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l. Das Schöne ist nicht das Wahre. Ein Stein sieht 
so wahrhaftig wie ein Stein aus, wie eine Rose aus- 
sieht wie eine Rose, und ist doch nicht so schön. 
Eine Wolke mag mehr einem Kastell gleichen als 
einer Wolke, und dadurch nur um so schöner er- 
scheinen. Die Spiegelung der Wüste ist schöner als 
ihr Sand, das Bild des Himmels im Meere schöner 
als das Meer selbst . . . . 
2. Das Schöne als nützlich anzusehen, heißt Bewun- 
derung mit Hunger verwechseln, Liebe mit Lust und 
Leben mit Sensationen. Es heißt behaupten, die 
menschliche Natur habe keine Ideen und Gefühle 
außer denen, die sich auf ihre 
beziehen. Zu Gunsten dieser 
brutalen 
Ansicht 
Begierden 
ist nichts 
vorzubringen, so lange die Menschheit sich nicht 
dahin geeinigt haben wird, Samen und Wurzeln für 
die schönsten Erzeugnisse der Natur, und Spaten 
und Mühlsteine für die schönsten Kunstwerke zu 
halten. 
3. Weil man sich an hässliche Dinge gewöhnen kann, 
hat man Gewohnheit als Ursache der Schönheits- 
empfindung angesehn. Ebensowohl könnte man dar- 
aus, dass der Gaumen Geschmack an Oliven gewin- 
nen kann, folgern, Gewohnheit sei Ursache des köst- 
liehen Wohlgeschmacks der Trauben. Die Gewohn- 
heit hat aber eine andere, zweifache Aufgabe. Ein- 
mal die Stärke wiederholter Eindrücke abzuschwächen, 
dann aber, das vertraute Objekt der Zuneigung lieb 
zu machen. Das letztere ist ihre Aufgabe gegenüber
        

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