Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Moderne Maler
Person:
Ruskin, John Broicher, Charlotte
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1277533
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1279277
den geblasen, könnte nicht die Ecken eines, 
nur einen Zoll dicken Baumes gerade biegen. 
Es ist schwierig, dem kleinsten Reis die Ecken aus- 
zubiegen, und unmöglich bei einem starken Zweige. 
Und wer einen Baum im heftigsten Sturm beobachtet, 
sieht, wie all seine Zweige sich beugen ohne ihren 
Charakter zu verlieren. G. Poussin aber macht nicht 
den Sturm stark, sondern den Baum schwach . . . 
Diese Gesetze sind so viel imperativer als die, die 
ich über das Wasser aufgestellt habe, dass der größte 
Künstler sie nicht ohne Gefahr übertritt, weil sie der 
organischen Struktur entstammen, deren Aufhebung 
peinlich wirkt . . . . Und doch ist das geübte Auge 
und das Leben in den Wäldern mehr wert als alle 
botanischen Kenntnisse. Denn es ist etwas in dem 
Wachstum eines Baumstammes und der Anmut seiner 
oberen Verzweigungen, was nicht gelehrt werden kann 
und sich nur treuer Wachsamkeit offenbart. In jeder 
Ausstellung sieht man hunderte von fleißigen Bildern, 
viele nach der Natur gezeichnet. Seit dreihundert 
Jahren haben aber die kultivierten Völker Europas 
Bäume gemalt, und dennoch behaupte ich kühnlich, 
dass nur Tizian und Turner jemals einen Baumstamm 
wiedergegeben haben. 
Die Wahrnehmung der Muskeln des Baumstammes 
ist unvollkommen bei allen Malern, die nicht die 
menschliche Gestalt studiert haben. Wer mensch- 
liche Muskeln malen kann, wird auch äußerlich die 
Baummuskulatur treffen; aber nur geduldige Wald- 

        

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