Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1615950
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Chaldäa. 
Babylonien und Assyrien. 
Terrassenbauten in den endlosen Ebenen lifesopotamiens den sternkun- 
digen Chaldäern als erwünschte Statten für ihre weltbekannten astrono- 
mischen und astrologischen Studien dienen, und da Strabo ausdrücklich 
von der Astronomen-Schule von Borsippa spricht, so ist kaum ein Zwei- 
fel möglich, dass die Terrassen der sieben Sphären der Schauplatz ihrer 
beobachtenden Thätigkeit gewesen seien. 
Weniger als die Ruine von Birs-Nimrud hinsichtlich der Gestalt der 
chaldäischenTempelbauten befriedigen die Ruinen beiHillah, Kasr (Palast) , 
Mudschelibeh (Ruine) und Dschumdschuma hinsichtlich des Palastbaus. 
Die Backsteinmassen haben seit Jahrhunderten als Steinbrüche gedient, 
und nicht selten erblickt man selbst in Bagdad den Ziegelstempel Na- 
bukodonosors, welcher die Herkunft des Materials von den Ruinen von 
Babylon bezeugt. Ist es auch nicht gelungen den Vorrath dadurch zu 
erschöpfen, so haben doch die Ausbeutungen dort das Aeussere un- 
kenntlich gemacht und die Hallen der in die Masse getriebenen Schachte 
den grössten Theil verschüttet. Man wird daher wohl mit Layard da- 
rauf verzichten müssen, noch einen Schlüssel zu finden, welcher den 
Plan des Palastes aus dem wüsten Schütte erschlösse. Oppert ver- 
muthet in dem Hügel von Dschumdschuma oder Amran ibn Ali (wie 
er von der Grabkapelle dieses muhamedanischen Heiligen, die er trägt, 
auch genannt wird), die berühmten hängenden Gärten der Semiramis, 
dieses Wunderwerk der alten Welt. Allein so naheliegend seine Ver- 
muthungen, so wird es doch kaum mehr gelingen, aus demselben die 
Bestätigung für die im Gegensatz zu der Strabonischen ganz wahrschein- 
liche Beschreibung derselben durch Diodor zu gewinnen. Nach dieser 
waren die Gärten ein quadratischer Terrassenbati von c. 120 M. im Ge- 
vierte, dessen Stufen nach dem Lande zu abholen, während am Flussufer 
eine steile Wand die höchste 15 M. messende Terrasse und zugleich das 
Ganze abschloss. Die Stufen aber wurden von dreizehn starken Mauern 
gebildet, von welchen immer die nächstfolgende höher als die voraus- 
gehende war, zwölf schmale Corridore zwischen sich lassend, deren über- 
einanderfolgende Bedeckung von Steinbalken, von Schilf und Bitumen, 
von gebrannten Ziegeln und Bleiplatten die Erdaufschüttung wie die 
grössten Bäume tragen konnte. Im höchsten Corridor aber besorgten 
Pumpwerke aus dem Euphrat das nöthige Wasser. 
Die Terrassenruine von Mudschelibeh oder Babil, von den Arabern 
jetzt als Schauplatz der Strafe von gefallenen Engeln gemieden, gibt 
nicht einmal darüber Aufschluss, 0b sie zu einem Cult- oder Palast- 
bau gehört habe. Am wahrscheinlichsten ist sie der Rest der grossen 
Belusgrabpyramide, welche wir uns in der Art der noch zu besprechenden
        

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