Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1615875
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Chaldäa, Babylonien und Assyrien. 
Materials zur Herstellung gewaltiger und unvergänglicher Werke selbst 
aufzufordern scheinen. Die mesopotamische Ebene dagegen dehnt sich 
in unabsehbarer Breite noch über die beiden Ströme, zum Theil ganz 
ohne felsige Erhebung sich in der Wüste verlierend, anderntheils auch 
in den fernen Gebirgen kein Bruchsteinmaterial darbietend, welches sich 
mit dem Aegyptens hätte messen können. Brauchbaren Thon zur Her- 
stellung von Ziegeln lieferte zwar der Boden in Fülle, dafür aber gebrach 
es wieder an ausreichendem F euerungsmaterial, um dem Backstein 
durchgängig durch Brennen die Dauer des Bruchsteins zu verleihen. Man 
musste sich in der Regel begnügen, die Ziegel an der Sonne zu trocknen 
und durch Massenhaftigkeit zu ersetzen, was dem Materiale an Dauer- 
haftigkeit fehlte, höchstens aber die massiven Mauern aussen mit ge- 
brannten Ziegeln ganz zu verkleiden oder in einzelnen regelmässig wie- 
derkehrenden Lagen zu durchziehen oder durch lisenenartige Streben 
aus gebranntem Materiale mehr zu solidiren. Ausserdem stand in dem 
Bitumen (Erdharz), das noch jetzt bei Hit am Euphrat, nördlich von 
Bagdad am südlichen Ende der höheren Alluvionsterrasse Assyriens 
iliesst, ein vortreffliches Bindemittel zu Gebote, welches mit Kalkmörtel 
abwechselnd bei monumentalen Werken gebraucht wurde, während 
man bei gewöhnlichen Bauten oder im Inneren der massiven Mauern 
sich mit Thon, nach Art unsers Ofenkitts mit Spreu geknetet als Mör- 
tel bediente und manchmal eine Lage Schilfrohr hineinbettete, die wohl 
den Zweck hatte, die Austrocknung der Mauermassen zu erleichtern. 
Dass von solchen Werken sich wenig erhalten konnte, ist selbst- 
verständlich. Nur wenn ungeheure Mauerstärke sie wenigstens in ihrem 
Kerne unverwüstlich machte, oder frühzeitig der Schutt der Zerstörung 
benachbarter Gebäude sie selbst schützend deckte, konnten sie die jahr- 
tausende überdauern. Darum sind auch die Reste von Altchaldäa in 
der Regel höchst unförmliche Schutthügel, welche indess noch keines- 
wegs alle untersucht sind. Doch ist es den verdienstvollen Forschern 
Taylor und Loftus nach dem Vorgange von Ainsworth, Chesney und 
Layard gelungen, in den jahren 1854 und 1855 über dreissig Städte- 
ruinen in der unteren Hälfte des mesopotamischen Tieflandes aufzu- 
Hnden, von welchen Mugeir (das alte Ur), Warka (Erech) und Abu 
Schereyn die bedeutendste Wissenschaftliche Ausbeute mit dem Stem- 
pel des höchsten Alterthums lieferten, während Niffer, Sura, Tel Sifr, 
Kalwadha und Akkerkuf in ihren Ruinen wohl grösstentheils der neu- 
chaldäischen Periode. angehören. 
Unter den Ruinen von Mugeir beündet sich ein aus den Resten 
eines Terrassenbaus gebildeter Schuttberg (F ig. 33). Er besteht aus zwei
        

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