Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1615779
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Aegypten. 
bahnen, ebenso wie die Parthie von der Unterlippe an in der schräg 
nach vorne gerichteten Tendenz der Stirn- und Nasenlinie verharrt. 
Die geschlossenen üppigbreiten Lippen sind scharf begränzt, die auf- 
wärts gezogenen Mundwinkel geben zugleich mit den aufwärts gerichte- 
ten Augenwinkeln dem Gesichte etwas Lächelndes, dem etwas Hohn 
beigemischt erscheint, beides jedoch, weil von Seite des Künstlers ab- 
sichtslos, kalt und starr. Das Kinn ist flach und im Profil spitz, die Ein- 
ziehung vom Kinn bis zum kurzen und doch schmächtigen Halse fast 
geradlinig. 
Der beschriebene Typus ward durch Jahrtausende hindurch so 
unwandelbar festgehalten, dass selbst die Geschlechter an den Köpfen 
kaum unterscheidbar sind. Doch zeigen die männlichen Gestalten häufig 
eine Art von Kinnbart, welcher jedoch rechtwinklig geschnitten ist und 
zuweilen sogar durch deutlich verfolgbare Bänder angebunden erscheint. 
Charakterisirt aber werden die Köpfe und somit die ganzen Figuren vor- 
zugsweise durch die Kopfbedeckungen, die zwar zunächst auf eine 
Grundform, nemlich auf das Pschent, eine hohe tiarenartige Mütze zu- 
rückgehen, jedoch in so reicher und phantastischer Mannigfaltigkeit, 
dass schon die Description de 1' Egypte (pl. 115) dreissig Verschieden- 
heiten zusammenstellen konnte. Die Gottheiten aber bedürfen solcher 
Auszeichnungen nicht immer, da sie häufig ein Thierhaupt, ein Löwen,- 
Widder-, Kuh-, Affen-, Schakal-, Krokodil-, Sperber- oder Ibiskopf 
charakterisirt; denn der Naturdienst Aegyptens fand in thierischen Sym- 
bolen seinen Ausdruck besser, als in der am Nil monoton gebliebenen 
Menschendarstellung, im entschiedenen Gegensatze zum hellenischen 
Mythos, der bei monstrosen Verbindungen von menschlicher und thieri- 
scher Gestalt nur ausnahmsweise das Menschenhaupt aufopferte, in der 
Regel aber dasselbe auf thierischen Rumpf setzte. 
Die Körper sind durchgängig nach einem Schablonennetze con- 
struirt, welches das Haupt eingeschlossen nach Diodor zrijß, Theile, 
deren zu Grunde liegende Einheit wahrscheinlich die Nasenlänge bildete, 
in der Höhe gehabt zu haben scheint. Die Schultern sind aufwärts ge- 
zogen und breit, ebenso die wenig vorgewölbte Brust, dafür sind die 
Hüften schmal und schwach modellirt. Die letzteren sind zum Theil 
mit einem Lendentuch umgürtet, das zwar sorgfältig gefältelt und gelegt 
erscheint, ohne jedoch trotz der knappsten Anspannung in Faltung und 
Form sich dem Körper naturgemäss zu fügen. Nicht selten springt es 
besonders bei sitzenden Figuren steif und geradlinig wie aus Holz ge- 
schnitten und das Stoffliche ganz negirend vor. Die mageren Arme 
sind sehnig, trocken und hart, die Hände plump durch die gleichdicken
        

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