Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1615748
Prof anban. 
Plastik. 
hnderisch: Aegypten aber fordert mit seinem stets wolkenlosen und 
milden Himmel von dem Menschen kein Raffmement zu schützender 
Abwehr der Unbill der Witterung wie zur Erreichung der nöthigen Be- 
haglichkeit. Es bannt weder ins Innere, noch zerstört es auch den leich- 
testen Schutz. Weder Regen noch Schnee heischt eine Traufe, und man 
konnte daher bei der primitivsten Stufe, der einfachen horizontalen 
Deckung stehen bleiben, da ja kein Bedürfniss zu weiterer Anstrengung 
antrieb. Dazu war es dem Aegypter nach seiner religiösen Auffassung 
Weit wichtiger sein Haus für den Todesschlaf zu bestellen, da ihm der 
Schutz seines Leichnams mehr am Herzen lag, als der Schutz seines 
Lebens. Und so haben sich die Gräber in ausgedehnten Nekropolen zu 
vielen Tausenden erhalten, während der Wissenschaft auch nicht ein 
ägyptisches Wohnhaus in einer zum Verständniss desselben ausreichen- 
den Erhaltung zu Gebote steht, zum Theil auch deshalb, weil die Gräber 
fast ausschliessend am felsigen und darum sich weniger verändernden 
Wüstenrand hergestellt wurden, während die Städte im Nilthal selbst 
sich befanden, dessen Boden durch die alljährliche Ueberschwemmung 
mit zurückbleibendem Schlamme in so vielen Jahrhunderten sich nam- 
haft erhöhen musste. 
Nicht minder bedeutend, wie die Architektur tritt uns die ägyp- 
tische Plastik entgegen. Hat jedoch schon jene ihre Entwicklung stoss- 
Weise vollzogen, ohne ihr allmäliges Vorwärtsschreiten ersichtlich werden 
Zu lassen, so ist bei dieser von Stadien ihrer Ausbildung absolut keine 
Rede. Schon die ältesten Reste, die wir mit ziemlicher Sicherheit in die 
fünfte Dynastie datiren können, zeigen das zwei Jahrtausende hindurch 
festgehaltene Schema vollendet und das Schablonennetz berechnet, mit 
Welchem man bis zur Ptolemäerzeit herab mehr mechanisch als künst- 
lerisch arbeitete. 
Betrachten wir in erster Linie die Statuenbildnerei. Bei dieser, 
auch in Aegypten neben den Götterbildern Porträtdarstellungen von 
Königen, Königinnen und hervorragenden Unterthanen besorgend, 
scheint doch die unmittelbare Nachahmung des lebenden Vorbildes im 
Allgemeinen so naheliegend wie die Beobachtung der Charaktereigen- 
thümlichkeiten, welche die Erscheinungsunterschiede so wesentlich mit- 
bedingen. Allein wie im ganzen Volke das Individuelle, die Person zu- 
rücktritt hinter dem Ganzen, die Schöpfung des Einzelnen hinter der 
Leistung der Masse, so fehlte auch dem ägyptischen Künstler aller Sinn 
für Individualität; wie er ohne eigene Werthschätzung, ohne allen Drang 
sich vor andern auszuzeichnen und seinen Namen durch sein Schaf- 
{an Zu verewigen war, so musste dieser Mangel selbst im Kunstwerk 
Kamm. Gesch. d. a. Kunst. 3
        

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