Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1615727
Architektur 
Felsentelnpel. 
Pofanbauten. 
aber bleibt die Dreitheilung an allen Grottentempeln trotz der Ver- 
schrumpfung der beiden inneren Abtheilungen immer. 
Während die erhaltenen Denkmäler von den Cultbauten, zu wel- 
chen im ägyptischen Sinne ausser den Tempeln auch die Gräber zu 
rechnen sind, uns eine ausreichende Vorstellung gewähren, sind wir in 
Bezug auf den Privatbau weit dürftiger unterrichtet. Der Plan des Tem- 
pelpalastes von Karnak zwar ist im Allgemeinen verständlich, doch nicht 
die Gesammtheit, die Beleuchtung und Bedeckung, abgesehen davon, 
dass die ausgedehnte Anlage doch nur einen Theil des ganzen Tempel- 
complexes bildet und durch dessen Umfriedung sein selbstständiges 
Aeussere einbüsst. Vgl. Fig. Ig. Der sog. Pavillon von Medinet-Habu 
aber ist hinsichtlich seiner Bestimmung und seiner muthmasslichen Ver- 
bindung mit anderen jetzt ganz verschwundenen Räumen ein solches 
Räthsel, dass höchstens der Gebrauch regelmässiger einfach umrahmter 
Fenster, wie die Anwendung mehrer Stockwerke im Privatbau daraus 
zu erweisen ist. Die ägyptischen Koilanaglyphen und Wandgemälde 
stellen zwar oft das Innere eines vornehmen Hauses, ja Palastes dar, 
auch förmliche Pläne sammt den in ihren Erzeugnissen deutlich unter- 
Schiedenen Gartenanlagen kommen vor, aber während bei den letzteren 
zwar die nebeneinanderliegenden Kammern, die Zugänge u. dergl. deut- 
lich erkennbar, erlauben sie doch nicht eine allgemein gültige Vorstel- 
lung des normalen Hausplanes, noch weniger aber des Styles desselben. 
Auch die Innenansichten verhalten sich mit ihren schlanken Säulchen, 
schmalen Gebälken, mit ihrem perspectivelosen Uebereinander statt 
Hintereinander, mit einem Worte durch ihre offenbare Unwahrheit ja 
structive Unmöglichkeit ebenso zur Wirklichkeit wie die fictiven Archi- 
tekturen der sog. pompejanischen Wandmalerei zur griechischen und 
römischen Architektur. Es ist hierbei dem Künstler nur um einen Rah- 
men für die dargestellten figürlichen Vorgänge wie für die Aufzeigung 
des Inhalts der Vorrathskammern zu thun. Dennoch dürfte daraus zu 
entnehmen sein, dass der Säulenschmuck im Profanbau nicht verpönt 
War, wenn maniauch aus dem Verschwinden fast aller Reste annehmen 
muss, dass wenigstens der Unterthan sich mit hölzernen Stützen begnügte, 
Wenn derselbe überhaupt weit über die architektonisch ganz unbedeu- 
tende Hütte hinaus kam, die eben nur einen einzigen Raum zum notb- 
dürftigsten Schutze darbot. Dass die Mehrzahl der Häuser der Art war, 
lassen die Aufdeckungen u11tergegangener Städte freilich nur in den ge- 
ringen Resten der mit Luftziegeln aus Nilschlamm hergestellten Wände 
Vermuthen, aber selbst Palastbauten gingen nicht leicht über die Herstel- 
lung massenhafter kleiner Kammern hinaus und gelangten so zu keinen
        

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