Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1615673
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Aegypten. 
letzteren waren riesig, die Hauptsäulen massen 75' in der Höhe und ihre 
Capitälkelche 20' im Durchmesser, ihre Architravbalken 22:6:4'; der 
ganze Saal 3o0' in der Länge. Wände und Säulen waren mit koilana- 
glyphen Malereien dicht bedeckt, welche indess den gewaltigen Formen 
untergeordnet genug und durch Licht und Schatten so gebrochen waren, 
dass ihre Wirkung nicht zu bunt sein konnte. Ein Beispiel, der Tempel 
zu Soleb, zeigt auch diese zweite Tempelabtheilung gedoppelt; dass diess 
jedoch seltener angeordnet ward als die Verdoppelung des Hofes, liegt 
wohl zunächst in der weit grösseren Schwierigkeit der Herstellung. 
Vom Hypostyl aus führte entweder ein einfacher Thorweg oder ein 
dritter und wie beim Tempel von Karnak vierter Pylonbau zur letzten 
dir drei Abtheilungen. In vielverschachtelten Kammern, von welchen 
die innerste, die eigentliche Tempelcella, im Vergleich zu dem Ganzen 
verschwindend klein, manchmal sogar aus einem einzigen Steinblocke 
gehauen war, vollzogen die Priester ihren geheimen Dienst, hausten die 
heiligen Thiere. Der ständige Aufenthalt der Priester in den Haupt- 
tempeln erforderte eine klosterartige Anlage des Innersten. ja es scheint 
sogar, dass selbst die Königspaläste den Tempeln eingefügt wurden, 
was auch bei der hierarchischen Grundlage des Staates, nach welcher 
der König zugleich Oberpriester und sein Leben durch religiöses Cere- 
moniell bis ins Kleinste geregelt war, nichts Befremdendes hat. Der 
Plan des grossen Tempels von Karnak lässt auch die muthmassliche 
Königswohnung in der Cellenumfriedung, durch einen Hof von der Cult- 
Stätte gesondert, mit ihren Sälen und kleineren Gemächern deutlich er- 
kennen. 
So reich sich auch die ägyptische Architektur an den Tempeln von 
der 18. Dynastie an entfaltet hatte, so war von derselben doch nur das 
Innere berührt worden. Während sonst die Tempelanlagen fast aller 
Culturvölker auch auf eine bedeutende Aussenwirkung Bedacht nehmen, 
blieb man am Nil bei den langgestreckten festungsartigen Mauerumfrie- 
dungen stehen, wie sie die Tempelbezirke wohl schon in den frühesten 
Zeiten des alten Reiches umschlossen. Dieser Bann musste endlich 
gebrochen werden, als die halbgriechischen Ptolemäer den Thron der 
Pharaonen bestiegen, und drei Jahrhunderte hindurch behaupteten. Sie 
waren zwar klug genug, auch durch Kambyses abschreckendes Beispiel 
gewitzigt, die ägyptischen Unterthanen nicht an ihrer empfindlichsten 
Stelle, ihrer durch mehr als tausendjährige Tradition geheiligten Religion 
zu verletzen, anderseits aber konnten sie es sich doch nicht versagen, 
wenigstens die Idee der hellenischen Tempelanlage mit ihrer nach aus- 
sen entwickelten Säulenpracht in das Nilthal zu verpflanzen. So sehr
        

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