Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1615577
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Aegypten. 
Wenn aber auch nach den Beweisen von Benihassan die beiden 
Ordnungen der Pfeilersäule und der Lotossäule bereits in der Periode der 
12. Dynastie bis zu einem gewissen Grade entwickelt waren, so scheint 
doch eine breitere Anwendung der Säulenarchitektur im alten Reiche 
nicht vorausgesetzt werden zu dürfen. Auch die Periode der Occupation 
des Nillandes durch die aller Cultur feindlichen no- 
i madisirenden Hyksos vom 22. bis 16. jahrh. v. Chr. 
G g Q E, W konnte der Weiterbildung und Anwendung künst- 
 lerischer Errungenschaften nicht günstig sein. Diese 
l lässt sich vielmehr erst im neuen thebaischen Reiche 
  nachweisen, welches von der 18. Dynastie an (von 
ggf; O  L itsi rechnet zu werd n flegt. Erst 
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von dieser Zeit an scheint man den Säulenschmuck 
i in grösseren Dimensionen namentlich an den Tem- 
K pcln verwendet zu haben, und in diese Zeit fällt 
E], auch die typische Weiterbildung der gegebenen 
21,2 Säulenformen. 
'19 Die sog. protodorische oder richtiger die poly- 
gonale canellirte Pfeilersäule, einst (in den Gräbern 
von Benihassan) die vorherrschende Form, kam nun 
" in Abnahme. Ihre Schlichtheit entsprach dem Stre- 
ben nach Formenreichthum, wie er sich jetzt mächtig 
ß geltend machte und Millionen Meissel in Bewegung 
setzte, so wenig wie der Farbenlust, welcher der 
canellirte Schaft nur an einer nicht canelliiten Fläche 
ist Raum bot. Doch suchte man auch dieser Form, 
w wenn auch in sehr seltener Anwendung, eine weitere 
A8 Existenzberechtigung zu verschaffen durch die Er- 
"uäßrmu findung einer wesentlichen Zuthat,  nemlich eines 
_ Capitäls statt der zu dürftigen Platte, welche vorher 
_ den Uebergang vom Schäfte zum Gebälke unzuläng- 
Fig_1[_ Säulevonsedeinga. lieh vermittelt hatte. Hiefür aber sah man vom ve- 
getabilischen Vorbilde ab'und wählte ein mensch- 
liches und zwar weibliches Haupt, oder vielmehr gewöhnlich eine 
vierfache, um einen cubischen Kern gelegte Maske, und schmückte diese 
Bildung mit einem kapellenartigen Kopfputz. Die Säule wurde dadurch 
zur hermenartigen Janus-Quadrifrons-Karyatide und gestaltete sich 
nicht ohne Reiz, doch scheint ihre im Bildniss der Gottheit (Hathor) 
liegende beschränkte Anwendbarkeit ihrer Weiterverbreitung im Wege 
gestanden zu sein (Fig. 11).
        

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