Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1615568
Architektur. 
Entstehung der 
Säulen. 
Lotossäulen. 
verbundenen Stengel der Pfeilerform entsprechend zu strecken und senk- 
recht aneinanderzuschliessen, kurz, statt des Kranzes, wie er der hori- 
zontalen Linie entspricht, das dem verticalen Princip näher stehende 
Bouquet nachzubilden. Einen solchen langstieligen Lotosknospenstrauss 
findet man auch beispielsweise schon an den Pfeilern der Gräber bei 
Sauiet-el-Meitin (Fig. g) , die jedenfalls dem alten memphitischen Reiche, 
wahrscheinlich der 6. Dynastie angehören, und darf ihn ebenso als 
übliche Pfeilerbemalung betrachten, wie den Lotosblumenkranz als 
üblichen Fries. Nun lehrt aber die Geschichte des Ornaments, dass der 
Meissel erst den Fussstapfen der Farbe folgte und nicht umgekehrt. Die 
vier Seiten des Pfeilers zeigten dieselbe farbige Auszierung; sobald man 
daher diese ins Plastische übertragen wollte, konnte nichts näher liegen 
als sie statt vierfacher Reliefbildung ins Runde 
zu übertragen, auf welche Art sie ebenfalls von i 
allen Seiten sich darstellte und den Pfeiler in 
eine Säule von der Gestalt eines Lotosbouquets 
verwandelte. Dieser Entschluss musste früh- 
zeitig gefasst worden sein, wenigstens finden  I 
wir schon in denselben Gräbern, aus der i  
zwölften Dynastie, welche auch die sog. proto- I? 
dorische Säule in ihren verschiedenen Phasen  
darbieten, nemlich in den Felsgrotten von Beni-  
hassan die Prlanzensäule in einer sehr primi- 
tiven Gestalt (Fig. 10). Form und Farbe wirken 
zusammen, um über den zu Grunde liegenden  
Gedanken an einen Lotosknospenstrauss keinen i "J?  
Zweifel aufkommen zu lassen. Vier rundlich    
 Fig. m. Lotossaule von Bemhassan. 
profihrte Stengel legen sich von einer Basen- 
platte, wie an der polygonen Säule sich erhebend unter entsprechender 
Verjüngung aneinander und werden oben unter den Blüthen durch 
ein fünffach herumgeschlungenes verschiedenfarbiges Band zusammen- 
geschnürt. Ueber diesem quellen die vier Lotosknospen aus den Stengeln 
hervor, zwischen der grünen Blattumhüllung in schmalen Schlitzen das 
Weiss der eben auf brechenden Knospen zeigend. Während aber in dem 
gemalten Blumenstrausse (Fig. 8) die Knospen sich ausbreiten, müssen 
sie hier in der plastischen Uebertragung sich mehr in ein das Capitäl 
bildendes Ganzes zusammenschliessen. Auch die kleinen Blümchen 
mit kürzeren Stielen, wie sie das Pfeilergemälde von Sauiet-el-Meitin 
zeigt, sind in der Lotossäule nicht vernachlässigt, doch ist die Blüthe 
selbst in Rücksicht auf die technische Schwierigkeit etwas verkümmert.
        

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