Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1615513
Aegypten. 
d. h. aus luftgetrockneten Ziegeln erbaut haben, und es ist nicht un- 
wahrscheinlich, dass die grosse Pyramide von Daschur mit dieser zu 
identificiren ist. Diese zeigt auch die merkwürdige Eigenthümlichkeit, 
dass sie nicht unmittelbar auf dem Felsboden, sondern auf einer starken 
Sandlage ruht, welche, eingeschlossen von einer quadratischen Um- 
mauerung, hier als vortrefflicher Grundbau sich erweist.  Die den letzten 
Königen der dritten Dynastie angehörende Gruppe von Abusir ferner 
zeigt den Kern aus unbearbeiteten Bruchsteinen, die von dem hier 
ziemlich hohen Wüstenplateau selbst gewonnen sind, hergestellt, und 
zwar vermittelst roher Verkittung derselben durch Nilschlamm. Dafür 
glaubte der Erbauer mit Herstellung der Decke seiner Grabkammer 
um so sorgfältiger zu Werke gehen zu müssen, und wie in der Cheops- 
pyramide eine sechsfache Decke vor Einsturz schützt, so leistet hier eine 
dreifache Dachung aus giebelformig gegen einander gelehnten Stein- 
balken (bis zu 3 5' g" Länge und 1 2' Dicke) mehr als genügenden Widerstand 
gegen die aufgethürmte Last (vgl. Fig. ö). Die Verkleidung ist höchst 
sorgfältig aus Quadern von den Brüchen Turah's hergestellt, von welchen 
zu der Gruppe von Abusir gewaltige Steindämme, eine Art von Vor- 
läufern unserer Schienendämme, führen, welche, obwohl nur für den 
vorübergehenden Zweck des Materialtransports, doch so monumental 
angelegt sind, dass sie sich bis auf den heutigen Tag erhalten haben. 
Ueber den Transport von Steinkolossen auf Schlitten, welche ent- 
weder mittelst untergelegter Rollen bewegt oder auf ölgeglätteten 
Schienen geschleift wurden, belehren ägyptische Wandgemälde in der 
befriedigendsten Art.  Die Pyramide von Illahun ist zwar ebenfalls, 
wie die nördliche Pyramide von Daschur und einige andere, aus Back- 
stein, die Masse ist jedoch mit durchgezogenen Hausteinrnauern, von 
welchen sich die stärksten in der Richtung der Diagonalen fanden, 
mehr solidirt. Die Pyramide von Meidun endlich, deren Form oben 
bereits erwähnt wurde, zeigt einige Abwechselung des Bruchstein- 
materials in horizontaler Lagerung. 
Die nubischen Pyramiden am Berge Barkal und in Begarauieh oder 
Meroe, an Zahl jene Unterägyptens bei weitem übertreffend, haben ihr 
Interesse zum grössten Theile verloren, seit die Forschung erkannt hat, 
dass nicht von Nubien aus die Cultur und die Vorbilder für monumentale 
Thätigkeit nach dem Delta, sondern umgekehrt vom Delta nach Nubien 
gelangt seien, und dass diese Werke um etwa drei Jahrtausende jünger 
seien als die memphitischen Grabdenkmäler, indem sie durch Inschriften 
der Periode um den Anfang unserer Zeitrechnung angehörig befunden 
wurden. Sie bilden ausgedehnte Nekropolen und unterscheiden sich
        

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