Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1619968
Malerei. 
Die Prospect 
und architeklonisirende Malerei. 
Mosaik. 
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und dem tiefen Sinne für Polychromie, welcher wohl auf hellenische 
oder wenigstens hellenistische Vorbilder zurückgehend selbst noch der 
römischen Verfallszeit im Vergleich mit unserem grauen Jahrhundert 
innewohnte, so lebhaftes Zeugniss geben. Und dazu welche gewaltige 
sich fast auf alle Räume erstreckende und dabei auf jede Patronen- und 
Schablonenarbeit verzichtende Schaffensfreudigkeit! Nicht ein Amulius 
allein, welcher zwangsweise das goldene Haus des Nero ausmalte und 
seiner würdigen und farbenprächtigen Gemälde wegen von Plinius ge- 
rühmt wird, sondern ebenso viele Künstler als jetzt handwerkliche De- 
corationsmaler waren allenthalben beschäftigt, die Wände mit Gemälden 
und Ornamenten zu bedecken und namentlich um die Zeit des Nero 
musste nach dem Befund der verschütteten campanischen Städte der 
Betrieb der künstlerischen Decorationsmalerei lebhafter gewesen sein, 
als wir ihn zu irgend einer andern Zeit annehmen dürfen. 
ja sogar die Fussböden sollten an dem heiteren Farbenschmuck 
theilnehmen, der sich über alle Wände ergossen hatte. Von der Be- 
gründung der Fussbodenmalerei in Mosaik am pergamenischen Kö- 
nigshofe durch Sosos wurde bereits im Abschnitte über hellenische Ma- 
lerei Erwähnung gethan und zugleich darauf hingewiesen, dass dabei 
wohl nur an die als von Sosos angestrebte und erfundene illusorisch 
wirkende Musivmalerei zu denken ist, da die Herstellung von Teppich- 
mustern und überhaupt die lediglich ornamentale Mosaikarbeit weit 
älter sein muss. Des Sosos trinkende Tauben aus dem wungekehrten 
Saalu scheinen auch ein beliebtes Sujet für diese Technik geblieben zu 
sein, wie aus drei bekannten Nachbildungen hervorgeht, wovon die auf 
dem Aventin gefundene jetzt im lateranischen Museum beßndlich) so- 
gar einen Künstlernamen, Heraklitos, trägt. Wenn sich übrigens auch 
sonst Mosaicistennamen finden, so verdienen diese hier so wenig eine 
Stelle, wie etwa die zahlreichen Namen der Vasenmaler, da die Musiv- 
malerei mehr Technik als Kunst ist und gerade durch das Mühsame der 
ersteren eine eigentlich künstlerische Thätigkeit fast unmöglich macht. 
Das weitaus bedeutendste Werk der Art aber, das über 4 M. lange und 
2 M. breite vermuthlich eine Alexanderschlacht. darstellende pompeia- 
nische Mosaik, zugleich das namhafteste erhaltene Historiengemälde 
des Alterthums, welches aber wohl eher auf ein griechisches Vorbild 
wie auf die oben besprochene römische Schlachtenmalerei zurückgeht. 
Zeigt leider keinen Künstlernamen. Der grössten Mehrzahl nach sind 
die bekannten Mosaiken, weil aus Herculaneum und Pompeii stammend, 
in die Zeit des Nero zu setzen; doch könnte das pränestinische mit sei- 
nem ägyptisirenden Prospectgemälde in die sullanische Periode hinauf-
        

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