Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1619865
Plastik. 
Reli efbildnerei 
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werden konnten, wenigstens sind die Vorgänge durchaus kenntlich und 
die barbarischen Völkerschaften an ihren Costümen, Waffen u. s. W. 
zu unterscheiden, so dass namentlich die Reliefs der Traiansäule bei 
bekanntlich fehlender Geschichte dieses Kaisers eine nicht unbedeu- 
tende Quelle für dessen Biographie und die römische Kaisergeschichte 
bilden. Der künstlerische Werth aber ist, so tüchtig Behandlung und 
Technik, so mannigfach die Zeichnung auch genannt werden muss, 
durch die styllose Composition eine sehr geringe. 
In etwas vortheilhafterer Lage waren die oblongen Relieftafeln, na- 
mentlich an den Triumphbogen, weil ihre Umrahmung auf eine mehr 
abgeschlossene Composition, ihre Pendantstellung auf harmonische Ent- 
sprechung hinführte. Die Reliefs des Titusbogens wenigstens, nament- 
lich die beiden grossen des Durchgangs sind trotz des auch ihnen anhaf- 
tenden Unverständnisses des Reliefstyls von weit höherer Kunst-Bedeu- 
tung, und dasselbe gilt auch von den monumentalen Reliefs Traians 
(vgl. Fig. 245) und Hadrians. Wie sehr aber schon in der Zeit der 
Antonine die Grazie der Formen und der Anordnung, welche bisher 
noch immer aus hellenischer Erbschaft sich geltend machte, gewichen 
war, um auch formal wie inhaltlich einer unerquicklichen Trockenheit 
und Härte Platz zu machen, zeigt das Pieclestalrelief der jetzt verschwun- 
denen Ehrensäule des Antoninus Pius (Fig. 246) mit der Apotheose 
des Kaiserpaares, welches dem steifschwebenden Genius der Unsterb- 
lichkeit in dürftigster Composition auf den Nacken gesetzt erscheint, 
während ausserdem die Alles beherrschende frostige Allegorie die Per- 
sonification des Campus Martins, namentlich durch das Attribut des von 
Augustus dort aufgestellten Gnomon-Obelisken kenntlich, der Roma an 
die Seite setzt.  
Die römische Plastik hatte überhaupt unter Hadrian ihren Höhe- 
punkt erreicht. War Traian nicht mit Unrecht in späterer Zeit ndas 
Mauerkrautu genannt worden, weil seine zahllosen Restaurationsinschrif- 
ten Alles zu überwuchern schienen, so füllte Hadrian Alles mit Bildwerk, 
wie denn in dieser Beziehung seine tiburtinische Villa, in welcher er die 
Merkwürdigkeiten, die er auf seinen ausgedehnten Reisen durch die rö- 
mische Welt gefunden, baulich und plastisch reproducirt sehen wollte, 
selbst das goldene Haus des Nero noch überbot. Sobald jedoch Ha- 
drian, welcher als ein enthusiastischer Bewunderer griechischer Kunst 
naturgemäss auch dem Kunstbetrieb seiner Zeit die Bahnen gewissen- 
hafter Reproduction gewiesen und die hellenische Renaissance gefristet 
hatte, hingegangen war, erlosch allmälig diese Richtung. Statt nemlich 
Wie vorher vorzugsweise an die höchsten Leistungen der hellenischen
        

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