Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1619822
Plastik. 
Porträtbildnerei 
Relief. 
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Sorgfalt der Gewandnachbildung in reichster Fältelung, leider aber auch 
frühzeitig durch übertriebene Frisuren aus, durch welche sie zugleich zu 
Modebildern werden. Sitzende weibliche Statuen aber, anmuthig, wür- 
dig und bequem auf Lehnstühle hingegossen, gehören zu den gelun- 
gensten römischen Werken. Doch ist an allen Porträtstatuen, nament- 
lich in dem gewöhnlichen rednerischen Gestus eine gewisse Typik eben- 
sowenig zu verkennen, wie der mildernde Hauch hellenischer Idealisi- 
rung an den meisten Köpfen, welche ohne der Porträtartigkeit Eintrag 
zu thun, auch dem Eindruck der Schönheit nicht minder Vorschub lei- 
stet, als jene heroische Steigerung der ganzen Erscheinung selbst an 
ikonischen Werken, worin der hellenistische Einfluss sich namentlich 
geltend macht. Nur zu häufig aber tritt an die Stelle innerer Bedeutung 
Reichthum der Drapirung und fleissige Durchführung des Beiwerks, 
namentlich an Panzerreliefs u. dgl. 
Dieselbe Verbindung einer heimisch-italischen Tendenz mit helle- 
nischer Läuterung wie die statuarische Porträtplastik zeigt endlich auch 
die Reliefbildnerei, welche dadurch ebenso wie jene zur specifisch 
römischen wird. Sie erscheint schon quantitativ hoch bedeutend, indem 
der Römer es liebte. an seinen Monumenten wenig leere Flächen übrig 
zu lassen, sondern dieselben mit Inschriften und Reliefs abwechselnd 
nicht blos zu schmücken, sondern schlechterdings zu überziehen. Da- 
durch ward das Bildwerk selbst ebensosehr zur Schrift wie zum Orna- 
ment; die selbständige Bedeutung des Einzelnen ging verloren. Orna- 
mental namentlich ward es in beschränkten Räumen, wo es den ledig- 
lich ausfüllenden Charakter in keiner Weise verleugnet, nemlich auf den 
Flächen der Säulenpiedestale, in den Bogenwinkeln und auf den Schluss- 
steinen der Bogen; schrift- und chronikartig dagegen an den Haupt- 
flächen. War aber jenes seinem ornamentalen Charakter entsprechend 
grösstentheils allegorischen Inhalts in hellenisirend typischen Füllfiguren 
{trophäentragenden Victorien, Jahreszeiten u. s.  so entfaltet sich in 
diesem im Zusammenhange mit den Inschriften das eigentlich römische 
Historienrelief. 
 Das Historienrelief beruht erstlich der italischen Kunstanschauung 
im Allgemeinen entsprechend auf vorwiegend realistischer Grundlage. 
Das Mythologische verschwindet und nur die Allegorie behauptet noch 
einen geringen Einfluss, wie z. B. der Genius der Unsterblichkeit einen 
vergötterten Kaiser emporträgt, Roma der Triumphalquadriga voran- 
geht, Victoria auf einem Schilde einen Sieg verewigt, eine Stadt- 
Fluss-, ja sogar Sumpf-Personification das Local der Handlung oder 
Iupiter Pluvius den Eintritt des rettenden Regens bezeichnet. Im
        

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