Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1615471
Aegypten. 
und in der mittleren sog. Königinkammer) hergestellt ist. Allein gerade 
hier entdeckte man die grösste Sorgfalt, indem keineswegs die Last der 
oberen Hälfte der Pyramide auf diese horizontale Decke gelegt ist; diese 
hat vielmehr über sich noch fünf niedrige Entlastungsräume, die durch 
vier horizontale Steindecken von einander getrennt und endlich von 
einer solideren giebelförmigen Decke abgeschlossen werden, so dass 
Cheops die Möglichkeit des Einsturzes seiner Grabkammer kaum mehr 
zu besorgen brauchte. Auch für Ventilation derselben war durch zwei 
schräg aufsteigende Luftschlote gesorgt. 
Die zweite grosse Pyramide, von Cheops' Nachfolger Chefren 
(Sophris) erbaut, scheint in ihrem Kerne nicht so regelmässig hergestellt, 
während die dritte, für Chefren's Nachfolger Mykerinus (Menkeurah) 
erbaute die schönste Ausführung zeigt. Die Unebenheit des Terrains 
war hier so bedeutend, dass man mit einer gemauerten Substruction 
nachhelfen musste. Der ganze Kern ist in rechtwinkligen Lagen und bis 
auf die äussere Verkleidung in Stufenform hergestellt, was zwar an den 
meisten Pyramiden der Fall, jedoch hier besonders deutlich ist; die theil- 
weise erhaltene Granitverschalung war glänzend polirt. Es haben sich 
ferner in dieser Pyramide zwei Corridore, einer über dem anderen, 
gefunden, von welchen der obere nicht nach aussen mündet, sondern 
schon früher plötzlich endigt, zur ersten Kammer aber in einiger Höhe 
über dem Boden derselben gelangt. Es findet diess seine Erklärung 
durch die hierdurch beglaubigte Nachricht, dass die Pyramide, soweit sie 
von Mykerinus angelegt war, beträchtlich kleiner (nach dem Ende des 
oberen Corridors in der Grundlinie 18o' und in der Höhe 145' messend) 
angelegt worden sei, dass aber die letzte Königin der sechsten Dynastie, 
Nitokris, die Pyramide dadurch auch für ihr Grabmal zurichtete, dass sie 
noch einen weiteren Steinmantel bis zu einer Grösse von 352 : 21g' um- 
legte, wodurch auch, da der alte Zugang durch die Verlängerung der 
schrägen Linie nach auswärts zu weit nach oben gekommen wäre, ein 
neuer Corridor unter dem ersteren nöthig wurde. Die zweite Kammer, 
wahrscheinlich einst den Sarg der Königin enthaltend, fand man voll- 
ständig geplündert, die wohl verrammelte dritte, tiefste Kammer aber 
zwar nicht intakt, doch stand noch der prachtvolle braun und blaue 
Basaltsarkophag, aussen lattenwerkartig nach dem Vorbild eines Portal- 
baues sculpirt, an Ort und Stelle, während Reste des hölzernen mit 
eingeschnittenen Hieroglyphen bedeckten Mumienkastens und der Mumie 
selbst herumlagen. Der merkwürdige Steinsarg ging sammt dem Schiff, 
das ihn nach England führen sollte, im Mittelmeer zu Grunde, Mumie 
und Deckel des Mumienkastens aber befinden sich im britischen Museum.
        

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