Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1619541
Architektu 
Conlpositcapitül  
Kori 
nthisches Gebälk. 
Bautechnik. 
Gew. 
ilbearten. 
413 
Maassgebende, so mussten auch die technischen Elemente die künstle- 
rischen bei Weitem überwiegen. In der Bautechnik ist daher der 
Schwerpunkt der römischen Architektur zu suchen und in dieser treten 
uns auch die Römer als völlig selbständig und als das bedeutendste Volk 
des Alteithums entgegen. Nachdem sie frühzeitig dem Quader- und 
dem Backsteinbau, unterstützt von voitrefflichem heimischen Material, 
wie dem dauerhaften Tiburtin (Travertin)-Kalkstein, dem leicht bear- 
beitbaren Tuf, dem vorzüglichen Thon für Ziegel und dem unübertreff- 
lichen Tufsand, der mit Kalk gebunden als Bindenlittel zum härtesten 
Gestein erstarrt, eine bewundernswerthe Ausbildung gegeben, began- 
nen sie auch schon in der Königszeit, wie bereits erwähnt wurde, die-' 
selbe durch den Gewölbebau zu krönen. Im Gewölbe setzen sich die 
Wände zusammenstrebend als Decke fort, bis sie sich im Scheitel tref- 
fen ; Stütze und Last, Verticale und Horizontale schmelzen zusammen. 
Ohne dasselbe ist eine grossartige und solide Raumentiviclqlung in völ- 
liger Geschlossenheit nur sehr beschränkt möglich, und diese gehörte 
zu den Hauptzielen der römischen Bauthätigkeit.  
Das Tonnengewölbe in Quaderbau, wie wir es in der Cloaca 
Maxima fanden, litt jedoch an einigen Schwierigkeiten. Namentlich er- 
laubte es seiner massiven Wucht Wegen eine grössere Spannung ent- 
weder gar nicht, oder nur bei sonst störenden ungeheuren Widerlagern. 
Diese Uebelstände Wurden nun allerdings zum grössten Theile mit der 
Durchführung des Backsteinbaues in der Wölbung gehoben; aber die 
Raumentwicklung noch dadurch gehemmt, dass auch in diesem Falle 
das AuHager beiderseits continuirlich sein musste. Der Höhepunkt des 
Gewölbebaues ward daher erst durch eine neue und den Römern erfin- 
dungseigene Combination erreicht, nemlich gleichsam durch die Ineinan- 
derschiebung von zwei sich gegenseitig rechtwinklig schneidenden Ton- 
nengewölben, eine Neuerung, die man unter dem Namen des Kreuz ge- 
wölbes begreift. Diese Erfindung spaltete und reducirte die tragenden 
Glieder, indem nun statt der zwei Wände, welche dem Tonnengewölbe 
ein ununterbrochenes Auflager zu bieten haben, deren vier Enden, nem- 
lich vier Pfeiler an den Ecken genügten, das Gewölbe aufzunehmen, 
wodurch nicht blos zwei Wände wie auch am Tonnengewölbe, nem- 
lich die structiv bedeutungslosen beiden Schirmwände, sondern alle 
vier mit Ausschluss der Eckpfeiler, alles structiven Dienstes entbunden, 
in beliebiger Weise durchbrochen, ja ganz weggelassen werden konnten, 
womit jeder Erweiterung durch Anfügung von Nebenräumen die Bahn 
geöffnet wurde. Von mehr isolirter Bedeutung ward endlich eine dritte 
Gewölbeart, nemlich das hemisphärische oder Kuppel-Gewölbe,
        

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