Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1619491
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Rom. 
architektonische Detail. Der dorische Styl, als in Unteritalien und 
Sicilien vorwiegend im Gebrauche, musste ihnen die nächsten und zahl- 
reichsten Vorbilder liefern, fand aber nichts destoweniger den gering- 
sten Anklang. Ob daran die Aehnliclikeit und Abstammungsgleichheit 
des tuscischen und dorischen Styles oder die diametrale Entwicklungs- 
verschiedenheit beider den grösseren Antheil hatte, wird schwer zu sa- 
gen sein; jedenfalls kam die dorische Säule gar nicht in Aufnahme und 
wegen der Beibehaltung der schmächtigen, höchstens durch Einschie- 
bung ionischer Kymatien etwas alterirten und noch schlanker gemachten 
tuscischen Säule (F ig. 21g) in ihren weiten Abständen konnte auch von 
dem dorischen Gebälk nur eine ver- 
l schrumpfte, lediglich ornamentale Aussen- 
 nachbildung herübergenommen werden. 
Der Architrav schwand zu einem schmalen 
 Streifen zusammen oder verband sich viel- 
 mehr so mit dem Triglyphenfriese, dass 
_ beides zumeist, was bei kleineren Tempeln 
wohl möglich war, in einem Steinbalken 
hergestellt wurde, wobei allerdings der 
selbständige wuchtige und structiv bedeut- 
same Charakter dieser beiden dorischen 
j Gebälkglieder aufgegeben war. Die klein- 
  liehen und darum auch vermehrten Tri- 
Fig. 21g. Toskaiusclic Halbsziule vom     
flavischen Amphirhearer. glyphen zeigen die Schlitze oben horizontal 
abgeschnitten, die sog. Tropfen aber ver- 
längert und mehr konisch d. h. nach unten an Durchmesser namhaft 
zunehmend, während die entsprechend kleinen Metopen entweder ganz 
ohne plastische Füllung bleiben oder mit Rosetten, Pateren und Bu- 
kranien (Stierschädeln) geschmückt wurden, welche letztern wohl auf 
den alten Gebrauch, die Schädel der geschlachteten Opferthiere in 
ziemlich barbarischer Schaustellung an das Holzgebälk zu heften, zu- 
rückgehen. Auch das Kranzgesimse nahm in der Regel die schräg ab- 
wärts geneigte Bildung des dorischen Geison nicht auf, wie auch die 
Mutuli (Hängeplatten) ihre Tropfen verloren und zu schlichten Krag- 
steinen sich vereinfachten (Fig. 220). Manchmal mischten sich auch 
ionische Elemente dem dorischen Gebalke bei, wie der Sarkophag des 
L. Corn. Scipio Barbatus (Consul 298 v. Chr.), jetzt im Vatican, zeigt, 
an welchem, abgesehen von den ionischen Voluten des Deckels, über 
dem dorischen Triglyplienfries ein ionisches Gesimse mit Zahnschnitt 
erscheint; ja nicht selten ward der Dorismus im Gebälk ganz ver-
        

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