Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1619485
Architektur 
Der römische Tempel. 
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die Säulen in der Regel auf die in namhafter Tiefe hergestellte Vorhalle 
beschränkt blieben, wie diess am Forum Romanum vier Tempel noch 
jetzt in ihren Ruinen zeigen. Der sich so entwickelnde römische Pro- 
stylos, wie Vitruv diese Tempelart nennt, ist daher als das erste Corn- 
promiss zu betrachten, durch welches sich die altitalische Tempeldispo- 
sition mit der hellenischen abgefunden hatte, als das Product der Ver- 
bindung tuscischer und hellenischer Planforinen. 
Zunächst scheint dabei auch noch die italische Eigenthümlichlteit 
wo möglich beibehalten worden zu sein, die Linentwickelte Rückseite 
an die Temenosumfriedung oder an eine Felsenwand anzulehnen, wo- 
durch sich das altitalische Tempelhaus fernerhin von dem ganz freiste- 
henden griechischen unterschied. Doch mochte diess nicht immer mög- 
lich erscheinen, in welchem Falle dann, seit man den hellenischen Pe- 
ripteros kannte und zu vergleichen Gelegenheit hatte, die kahlen Isang- 
seiten mit der Rückseite unangenehm berühren mussten. Wenn man 
sich daher auch noch manchmal selbst in der Kaiserzeit (Faustinatempel 
am Forum) begnügte, höchstens die Ecken durch Pilaster zu markiren, 
so geschah dieses doch nur dann, wenn ein Tempel so eng zwischen 
anderen Gebäuden stand, dass ausser der Fagade wenig zur Geltung 
kommen konnte. Bei freier stehenden T empelbauten suchte man der 
nicht übersehbaren Wirkung des Peripteros dadurch einigermassen nahe 
zu kommen, dass man die Säulen der Vorhalle an den Cellenwanden 
ringsum als Halbsäulen fortsetzte und erreichte mit einem solchen Pro- 
stylos pseu doperipteros die höchste Stufe speciell römischer 
Tempelbildung. Dass man in späterer Zeit auch reine Peripteraltempel 
herstellte, oder kleinere Cultstätten älteren Datums durch Umlegung 
eines Peripteralmantels vergrösserte, ist natürlich; immer aber blieben 
zwei wesentliche Eigenthümlichkeiten: eine tiefe Vorhalle und eine 
möglichst geräumige saal- und nicht corridorartige Cella, deren Dispo- 
sitionen sich der Säulenkranz anbequemen musste, statt selbst wie zu- 
meist an den hellenischen und namentlich sicilischcn Bauten das Herr- 
schende zu sein, dem die Dimensionen der Cella untergeordnet wurden. 
Denn ein Grundunterschied der architektonischen Thatigkeit der Grie- 
chen und Römer war und blieb der, dass die ersteren, denen es vor- 
wiegend um die vollendete äussere Erscheinung, mithin auch im Bauen 
vor Allem um die Kunst zu thun war, Monumente; die Römer da- 
gegen, denen der Zweck als die Hauptsache, das Technische als das 
Zweite und das Künstlerische erst als das Dritte erschien, Raume 
schaffen wollten. 
Betrachten wir nun das bei den Römern rein decorativ auftretende
        

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