Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunstgeschichte des Alterthums
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1614812
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1615434
Aegypten. 
Versumpfung und Versandung höchst wandelbaren Euphrat- und Tigris- 
Ebene das vollständige Vergehen und Verwehen von Ruinen aus unge- 
brannten Ziegeln wohl denkbar erscheinen lässt. Macht uns jedoch 
die Sage geneigt, in Chaldäa die älteste Cultur, in Monumenten be- 
thätigt, zu vermuthen, so finden wir im Nilthal die ältesten Mo- 
numente, die sich erhalten haben und die wir überhaupt kennen. 
Das ewige Blau des Himmels wie die streng regelmässige Wieder- 
kehr aller mit der I-Ierzader Aegyptens, dem Nil, zusammenhängen- 
den Naturerscheinungen in diesem wunderbaren Lande stimmen zu der 
Gleichmässigkeit und Stetigkeit der ganzen Cultur des Volkes. Von 
einer Entwickelung kann bei demselben nur in so weit gesprochen werden, 
als der hohen Stufe, auf welcher wir das Volk drei Jahrtausende v. Chr. 
finden, minder entwickelte Culturgrade vorangegangen sein müssen, 
nicht aber in so fern, als ob nach Erreichung einer gewissen Höhe inner- 
halb bestimmter ungefähr tausendjähriger Perioden verschiedene Phasen 
der Weiterbildung zu beobachten wären, wie sie der Occident nicht blos 
in jedem Jahrhundert, sondern sogar in noch kürzeren Zeiträumen auf- 
zuweisen hat. Ohne irgend ein Streben nach Eigenart vollendete der 
Aegypter das Werk seines Urahns, und begann ein neues in demselben 
Geiste, um es seinerseits wieder in gleicher Art durch seine Urenkel 
vollenden zu lassen. So schleppten sich die Geschlechter in zahlreichen 
Generationen hin, ohne eine Spur ihrer individuellen Begabung zu 
hinterlassen, und nur die Cartouche der Könige lassen uns die Dynastien- 
reihen und die Werke von einem Jahrtausend, die ihrer Art nach alle 
einem und demselben Jahrhundert anzugehoren scheinen, einigermassen 
sondern und in chronologische Reihe bringen. Welche riesige Wan- 
delungen hat die europäische Cultur in den vierzehn Jahrhunderten vom 
Ende des Weströmischen Reiches bis auf unsere Tage erfahren, und wie 
fast unmerklich sind die Aenderungen, welche sich in dem fast gleichen 
Zeitraume des alten memphitischen Reiches (Pyramidenperiode), oder 
auch des neuen thebaischen von der 17. Dynastie bis zur Ptolemäer- 
periode erkennen lassen!  
Erst die Forschung der neueren Zeit hat über das wahre Alter der 
Denkmäler Unterägyptens Aufklärung gegeben. Als Napoleon I. vor 
der Schlacht bei den Pyramiden seine Truppen mit den bekannten 
Worten: vVierzig Jahrhunderte sehen von der Höhe dieser Pyramiden 
auf Euch herab lu anfeuerte, musste er sich nach der damaligen wissen- 
schaftlichen Annahme der Uebertreibung bewusst sein, statt zu ahnen, 
dass er noch weit hinter der Wahrheit zurückblieb. Denn wenn die 
Pyramiden von Abusir, möglicherweise auch die von Daschur, der
        

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